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Aachen: Unsere Zeitung wird zum Kunstwerk

Aachen : Unsere Zeitung wird zum Kunstwerk

Ein Kunstwerk für jedermann frei Haus — Leni Hoffmann und der Zeitungsverlag Aachen machen es möglich. Wenn Sie Ihre Tageszeitung aufschlagen, sehen Sie auf zwei Seiten ein farbiges Spiel, das am Mittwochabend unmittelbar an der Rotationsmaschine beim Druck unserer Zeitung entstanden ist — eine Kunstaktion zum 25. Geburtstag des Aachener Ludwig Forums, unterstützt von der Peter und Irene Ludwig Stiftung.

Dabei ist jedes einzelne Exemplar unserer Zeitung tatsächlich ein Unikat: Leni Hoffmann fabrizierte eine Endloszeichnung mit den vier Grundfarben des Offsetdrucks auf dem Papier des Rollenfortdrucks. So entstanden immer neue, unvorhergesehene Mischungen in Cyan, Magenta, Yellow und Schwarz.

Vier Farben, vier Menschen

Vier Farben, vier eingespannte Menschen bei der Kunstaktion: Neben Leni Hoffmann standen der Drucker Henry Viehhöfer, eine Verwandte der Künstlerin, Hilde Hoffmann, und der Direktor des Ludwig Forums Andreas Beitin an der Druckmaschine und ließen die Farbe auf das Papier fließen. Durch ihre minimalen Bewegungen zeichneten sich endlose Linien fort, bei denen es zu unterschiedlichen Konstellationen zwischen den Farben kam. Dabei ist die Linie so lang wie die gesamte gedruckte Auflage. Und das sind alle Ausgaben der Aachener Zeitung und der Aachener Nachrichten in der Städteregion Aachen.

„Pizzicato“ nennt die Düsseldorfer Künstlerin ihre Werkgruppe, in der sie beim Druckvorgang des Rotationsdrucks Endloszeichnungen entstehen lässt. In der Musik bezeichnet „Pizzicato“ eine Spielweise, bei der ein Streichinstrument mit den Händen anstelle des Bogens gespielt wird. Leni Hoffmann „zupft“ also jede Farblinie wie eine Saite.

Bislang entstanden solche „Pizzicati“ in der „Westdeutschen Allgemeinen Sonntagszeitung“ in Essen (2002), im Berliner Tagesspiegel (2007) und im Kölner Stadtanzeiger. Nun also in unserer Zeitung — einen Tag vor der Eröffnung der Jubiläumsausstellungen (19 Uhr) im Aachener Ludwig Forum. Jackson Pollock lässt grüßen: Ähnlich seiner „Dripping“-Methode spielt der Zufall beim Entstehen der unterschiedlichen Farbstreifen auf den Zeitungsseiten eine entscheidende Rolle.

Das Werk Leni Hoffmanns ist angesiedelt zwischen Malerei und Bildhauerei, und sie wählt für ihre Installationen und Interventionen künstlerisch sonst eher wenig genutzte Alltagsorte — eben auch die Tageszeitung. Damit verbindet sie auf sehr individuelle Weise Kunst und Leben. 1993 hatte sie eine Ausstellung im Neuen Aachener Kunstverein (NAK), in der sie den Raum innen und außen mit bunter Knetmasse ausgestaltete.

Leni Hoffmann löst Malerei von der Leinwand, als Malgrund gelten ihr stattdessen Wände, ganze Räume, Glasscheiben und andere Bestandteile von Architekturen. Bei einer Ausstellung im Kölner Museum Ludwig (2009) legte sie Kunststoffpolster aus und lud die Besucher ein, es sich darauf gemütlich zu machen und die Sitz- und Liegeflächen selbst als Kunst zu begreifen. Von dort aus konnte man ihre Knetbilder auf den Fensterscheiben betrachten. Kunst und Leben vereint: Kantinenbesucher des Auswärtigen Amtes, des Bundesjustizministeriums und des Hauses der Deutschen Wirtschaft fanden bereits Grafiken der Künstlerin auf ihren Tabletts vor.

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(eho)