1. Kultur

Detmold: Unfall von Kerkrade: Anklage gegen Speditionsmitarbeiter erhoben

Detmold : Unfall von Kerkrade: Anklage gegen Speditionsmitarbeiter erhoben

Mehr als zweieinhalb Jahre nach einem schweren Lkw-Unfall mit drei Toten im niederländischen Kerkrade hat die Staatsanwaltschaft Detmold Anklage gegen Mitarbeiter einer Spedition erhoben.

Die beiden Geschäftsführer und drei Werkstattmitarbeiter der Spedition in Bad Salzuflen müssten sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Bei richtiger Wartung des Lastwagens hätte der Unfall vermieden werden können, hieß es. Der Laster war Ende Juni 2004 wegen defekter Bremsen in einen Supermarkt gerast, dabei starben der damals 41 Jahre alte Fahrer und zwei Niederländer im Alter von 32 und 54 Jahren. Der Fahrer hatte in das Haus gesteuert, um nicht spielende Kinder zu überfahren.

In der Verantwortung sieht die Anklagebehörde nach eigenen Angaben vor allem die beiden 77 und 56 Jahre alten Inhaber der Spedition. Die Männer sollen ihrer Verpflichtung, für einen verkehrssicheren Zustand des Lasters zu sorgen, nicht nachgekommen sein. Aus Sparsamkeit hätten sie Wartungen und Reparaturen die eigene Werkstatt übernehmen lassen, in der nur zeitweise ein Kraftfahrzeugmechaniker gearbeitet habe.

Weitere Angeschuldigte sind drei Werkstattmitarbeiter im Alter zwischen 32 und 53 Jahren, die den Zustand der Bremsen nicht erkannt haben sollen. Nur zwei der Angeschuldigten äußerten sich zu den Vorwürfen und wiesen die Verantwortung zurück.

Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage vor allem auf das Sachverständigengutachten, wonach die Bremsen in einem desolaten Zustand waren. Durch eine angerostete Bremsdruckleitung habe Druckluft entweichen können, daher sprachen die Bremsen nicht an. Der mit 24 Tonnen Stahlplatten beladene Transporter bohrte sich zehn Meter tief in das Haus, das sofort in Brand geriet. Die Flammen erfassten auch den Lastzug und zwei weitere Häuser.

Die Ermittlungen konnten nach Angaben der Staatsanwaltschaft trotz reibungsloser Zusammenarbeit mit den holländischen Behörden nicht früher abgeschlossen werden. Schwierig sei es gewesen, den teilweise verbrannten Lastzug zu rekonstruieren.

Zahlreiche Menschen hatten für die Witwe und die Kinder des Lastwagenfahrers aus Kalletal bei Detmold gespendet. Bis September 2004 waren fast 150.000 Euro auf deutschen Hilfskonten für die Hinterblieben eingegangen.