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Trier: „Unendliche Geschichte” in musikalischer Poesie

Trier : „Unendliche Geschichte” in musikalischer Poesie

Mit musikalischer Poesie und farbenprächtigen Kostümen hat die „Unendliche Geschichte” von Bestseller-Autor Michael Ende als Oper eine erfolgreiche Fortsetzung erhalten.

Am Stadttheater Trier gab es ein Wiedersehen mit den Fabelwesen aus „Phantásien”. Der Berliner Komponist Siegfried Matthus vertonte die schon vor 25 Jahren als Buch und später als Film erfolgreiche Fantasy-Geschichte zu einem Singspiel, das zeitgleich in Weimar uraufgeführt wurde.

In der teilweise an den Filmkostümen orientierten Bühnenfassung des Trierer Intendanten Heinz Lukas-Kindermann (Ausstattung: Daniel Dvorák) steht die Heilung der kranken Kindlichen Kaiserin im Mittelpunkt. Es geht um die Rettung der vom Nichts bedrohten Buchwelt „Phantásien” und der menschlichen Fantasie.

Am Anfang der Oper sitzt Bastian - anders als im Roman - nicht als normales einsames Kind auf einem Dachboden, sondern als mürrischer, schwer erziehbarer und gewaltbereiter Junge imÊArrest in einem gekachelten Raum.

Der böse Junge, so will es der Librettist Anton Perrey, liest in einem gestohlenen Buch und taucht dabei trotz aller Gegenwehr in eine Welt voll Fantasie ein. Darin findet er zu sich selbst und wird zu einem singenden und lachenden Gutmenschen und Retter.

Musikdramatisch wird dabei aus Bastians Schauspiel- eine Gesangsrolle. Matthus verlässt an dieser Stelle das Operngenre und lässt Bastian (Antje Mönning) ein einfaches Kinderlied singen. Perrey rhythmisiert die Sprache für den Operngesang.

Wahrscheinlich auch deshalb bemängelten einige Zuschauer in Trier, dass die Opernfassung ohne den Buch- und Filmhintergrund schwer zu verstehen sei. Gleichwohl erhielt die Aufführung mit Eva-Maria Günschmann in der Doppelrolle als Atréju und Kindliche Kaiserin minutenlangen Applaus.

Als gemäßigter Avantgardist unter den zeitgenössischen Tonsetzern zeichnet Matthus die Story von der Rettung der Fantasie mit Instrumenten nach. Der fliegende Glücksdrache Fuchur und die weise Schildkröte Morla helfen dem Jungen Atréju, das von den weißen Wolken des Nichts bedrohte Land zu retten. Matthus charakterisiert die Fabelwesen, unter ihnen auch der Werwolf Gmork, mit Instrumenten von der Oboe bis zur Pauke.

Durch das gesamte Singspiel der „Unendlichen Geschichte” zieht sich das klingende Auryn mit der einprägsamen Sopranstimme von Evelyn Czesla aus dem Off. Das magische Medaillon weist den Weg zum Orakel und damit zur Rettung der Kindlichen Kaiserin.