Und wieder gilt: Köpfchen statt Muskeln

Und wieder gilt: Köpfchen statt Muskeln

Aachen. Man reibt sich verwundert die Nase. Irgendwo muss der Mann eine Zeitmaschine haben: So strahlend fröhliche Gesichter sah man zuletzt in Astrid-Lindgren-Filmen oder in den Kinderfilm-Klassikern aus der Tschechoslowakei, als die noch ein Land war. Strahlend erwartet das niedliche Wikinger-Dorf die Rückkehr seiner Männer.

Und neben aller Meisterschaft im Handwerk überzeugt Tausendsassa Michael „Bully” Herbig diesmal mit einem besonderen Trick: der Abwesenheit von jeder Art von Zynismus.

Wickie (Jonas Hämmerle) ist ein aufgeweckter Wikinger-Junge mit rotblonden Haaren, der lieber nachdenkt als sich prügelt, was sich für Wikinger eher gehören würde. Deshalb wird er von seinem Vater Halvar, dem stursten Wikinger-Chef aller Zeiten, nicht ernstgenommen.

Als das Dorf von einer Horde maskierter Fremder (darunter Jürgen Vogel) überfallen wird, die alle Kinder bis auf Wickie entführen, hissen die Wikinger aus Flake die Segel zur Verfolgung. Wickie will seine Freundin retten, versteckt sich auf dem Schiff und durch seine tollen Ideen kann die liebenswert-chaotische Truppe den „Schreckliche Sven”, mit dem Günther Kaufmann ein wunderbar großes Kino-Comeback feiert, besiegen.

Wetten auf das nächste Kinoprojekt von Bully Herbig würden immer schiefgehen: Nach der Western-Parodie „Der Schuh des Manitu” ging es mit „(T)Raumschiff Surprise - Periode 1” in den Weltraum und mit dem Animationsfilm „Lissi und der wilde Kaiser” in die Abgründe des k.u.k.-Heimatfilms. Und nun „Wickie und die starken Männer” nach den Kinderbüchern von Runer Jonsson, aber vor allem nach der 78-teiligen ZDF-Zeichentrickserie aus den 70er Jahren.

Der Transfer gelingt: Obwohl es in den recht flachen Zeichungen des Wickie-Originals von knorrigen Gestalten nur so wimmelt, erkennt man sie im Realfilm ohne grobe Maskerade wieder. Mit dabei: Christoph Maria Herbst als fieser Helfer des „Schrecklichen Sven”.

So kann Herbig, der selbst als Congaz - Reporter des „Königlich Spanischen Depeschendienstes - mit schwarzer Haarpracht, markantem Gebiss und Akzent als Erzähler fungiert und sich auch immer wieder direkt in das Geschehen einschaltet, auch vom Ausflug ins Wikingerland und in die Sphären des sympathischen, volkstümlichen Familienfilms mit gefüllten Schatztruhen zurückkehren - Fortsetzung ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

„Wickie und die starken Männer”, BRD 2009, Regie: Michael „Bully” Herbig, mit Jonas Hämmerle, Günther Kaufmann, Christoph Maria Herbst, Jürgen Vogel, 85 Min., FSK: o.A. (Aachen: Cineplex; Alsdorf: Cinetower; Düren: Comet; Heinsberg: Roxy)

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