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Aachen: Und montags läuft die Swing-Maschine

Aachen : Und montags läuft die Swing-Maschine

Eine Bigband muss es krachen lassen. Das will das Publikum, und das macht auch den Musikern Spaß. Aber sie muss auch mit viel Gefühl und präzisem Tempo Anlauf nehmen auf die Stellen, wo sie die „Hupe macht”, wie die Musiker sagen.

Es ist eine Kunst, rund 20 Musiker im exakten Rhythmus schwingen zu lassen und einen runden Sound zu erzeugen. Wenn es gelingt, reißen einen diese Klangfülle und der Schub, den ein so mächtiges Instrumentarium erzeugen kann, wunderbar aus dem Alltag raus.

In ihren besten Momenten, und das sind einige, kriegt die „Aachen Bigband” (ABB) genau das hin. Und abgesehen von der ohnehin konkurrenzlosen WDR-Bigband, gibt es auch weit und breit nichts Vergleichbares. Die Zuhörer in der Aachener Gaststätte „Zum Griechen”, wo die ABB jeden ersten Montag im Monat für ganze fünf Euro drei Stunden lang spielt, danken es mit brausendem Applaus - und auch das ist ein Erlebnis für sich.

Man staunt über dieses ungemein treue Publikum, das überwiegend nicht mehr ganz jung ist, und man fragt sich, warum sich nicht mehr junge Leute von dieser Art Musik anziehen lassen. Die große Zeit der Bigbands mag vorbei sein. Doch in der ABB spielen keine Opas, der jüngste ist 18, der älteste gerade 43. Mit wenigen Ausnahmen studierte Musiker, die sonst in Jazzcombos spielen, und in ihren Soli spüren lassen, dass sie auf der Höhe der Zeit sind.

Count Basie

Sie bekommen keinen Cent dafür, und sie hätten sonst Besseres zu tun. „Eine Bigband muss schon begeistern, sonst würde man diese Profis gar nicht kriegen”, sagt Manfred König, Sprecher und Organisator der ABB. Vor knapp zwei Jahren hat der Bariton-Saxophonist zusammen mit dem Tenoristen Friedrich Wolf die erste Besetzung der Band zusammengetrommelt.

„Und von Anfang an war klar, dass das nur mit Profis Sinn macht.” Ein bisschen Knatsch hat es wohl am Anfang über die Art und Weise gegeben, wie sich die Urbesetzung aus der Jazzotic-Bigband herauslöste. Inzwischen besteht die ABB zum größten Teil aus Absolventen der Maastrichter und der Aachener Musikhochschule.

„Mercy, Mercy, Mercy”

Swing, und das heißt vor allem der „riffige” von Count Basie, ist die eigentliche Stärke der Band, da rollt die Musik-Maschine. Aber auch Soul-Stücke wie „The Chicken” oder „Mercy, Mercy, Mercy” sind im Programm, wie selbstverständlich auch die großen Gassenhauer à la „Take the A Train” von Duke Ellington. Adi Becker, ein Posaunist der Bundeswehr-Bigband, der die ABB seit September leitet, erläutert zu jedem Stück, was das Besondere an ihm ist, wer das Arrangement geschrieben hat - und vermittelt so auch ein Stückchen Jazzgeschichte.

Auch das gehört zu einem unterhaltsamen Abend, und erst recht, wenn er am Ende jedes Stücks wie ein krummer Pfeil in die Luft geht und exakt mit dem letzten Ton wieder auf den Boden kracht. Wumm. Das nächste Konzert ist am Montag, 20.30 Uhr, beim „Griechen” (am Marschiertor). Stargast ist der Trompeter Marc Huynen.