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Köln: Und ewig sinkt die Titanic...

Köln : Und ewig sinkt die Titanic...

In die Dunkelheit hinein erklingt die Klage der Tin Whistle, die irische Flöte. Während sich Jack und Rose auf den LED-Screens ein letztes Mal verzweifelt aneinanderklammern, senken sich von der Decke der Kölnarena vier riesige quadratische Tabletts herab. Darauf ein Meer weißer Kerzen.

„Every night in my dreams, I see you, I feel you”, singt die schlanke Frau mit den langen, honigblonden Haaren. Der Lichtkegel des Spots, der auf sie gerichtet ist, taucht sie in goldenes Licht. Sie trägt ein schwarzes Kleid aus fließendem Stoff, gesäumt von schwarzen Federn. Ein zarter Windhauch lässt den flaumigen Besatz erzittern.

Um 22.30 Uhr zelebriert Céline Dion in der Kölnarena den Untergang. Mit allem, was geht. „My heart will go on”, das Liebesthema von Jack und Rose alias Leonardo DiCaprio und Kate Winslet, trug 1997 maßgeblich dazu bei, dass James Camerons Leinwand-Drama „Titanic” zu einem der erfolgreichsten Filme der Geschichte wurde.

Für Dion war es der größte Single-Hit. „My heart will go on” brachte ihr vier Mal Platin, und ist bis heute das Lied, das jedem sofort in den Sinn kommt, wenn ihr Name fällt. Insofern der einzig denkbare Abschluss für ein Konzert des kanadischen Superstars, der weltweit rund 180 Millionen Alben verkaufte.

Auf „Taking Chances”-Welttournee, machte die 40-Jährige Mittwochabend Station in Köln. Das Konzert war das einzige in NRW, insgesamt stehen sieben Auftritte in Deutschland und Österreich auf dem Programm. Céline Dion in der Kölnarena - das sind zwei Stunden zum Dahin-Schmelzen für rund 12.000 Menschen. Ein Vergnügen, das seinen Preis hat: Tickets kosteten zwischen 90 und 250 Euro.

Dafür wartet die Pop-Ikone mit einer durchgestylten Bühnenshow auf, bei der sie alle Register zieht. Angefangen von der Mittelbühne, die allerlei hydraulische Spielereien zulässt, über neun Musiker und vier Tanzpaare bis hin zu Video-Einspielungen und sechsmaligem Wechsel der Kostüme.

Und dann sind da natürlich auch noch die sagenhaften fünf Oktaven, über die Céline Marie Claudette aus Charlemagne, Québec, verfügt. Ihr Repertoire gleicht einer opulenten musikalischen Bewerbungsmappe. Sie kann covern („The power of love”), schmachten („All by myself”) und rocken („We will rock you”).

Aber am überzeugendsten ist die herbe Schönheit vom Typ einer Sarah Jessica Parker dann, wenn sie das tut, womit ihre Karriere begann: auf Französisch zu singen. „Pour que tu maimes encore” lässt ihre Stimme leuchten, glänzen und aufblühen.