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Aachen: Und der Vorhang öffnet sich immer wieder

Aachen : Und der Vorhang öffnet sich immer wieder

Zum Schluss - es ist schon weit nach 23 Uhr - stehen immer noch hunderte Fans vor der Eurogressbühne. Sie klatschen, pfeifen, johlen und warten darauf, dass sich der Vorhang nun doch zum x-ten Male öffne.

Und dass noch eine Kostprobe aus dem reichhaltigen Repertoire des virtuosen Musikanten Herman van Veen erklingen möge.

Der Vorhang geht wieder auf, die Band strahlt, van Veen selbst, am Tag zuvor mit der Martin-Buber-Plakette der Euriade-Stiftung ausgezeichnet, zählt den nächsten Song an. Es setzt sich in diesem veritalben Zugabenblock fort, was an diesem Abend das gesamte Programm geprägt: ein kompakter Ritt durch die Welt des Dichters, des Komponisten, des Moralisten Herman van Veen.

Zum Schluss dann der Klassiker, die Hymne auf seine Tochter Anne, in niederländischer Sprache, „es wird keiner dazu gezwungen hierzubleiben”, sagt der Sänger.

So ist das bei van-Veen-Konzerten: großartige Musik, weil entsprechend famose Könner auf der Bühne stehen und anrührende Geschichten, weil der Frontmann so viel zu erzählen hat. Er legt Wert darauf, dass seine Worte aus seinen Erinnerungen schöpfen.

Und da der Mann auf die Menschen zugeht, um sie kennenzulernen, da er ein guter Zuhörer ist, weiß er viel zu berichten. Dramaturgisch stimmt alles, er wiegt sein Publikum in Sicherheit, im zärtlichen Gefühl, um am Ende einen hammerharten Gegenakzent zu setzen.

„Hinfallen und aufstehen” ist ein Motto, das van Veen ausgibt. Kaum ein Künstler wagt einen solchen Spagat zwischen den Extremen, zwischen dem Klagelied über die toten Kinder in Afrika und der völlig übergeckten Parodie auf einen virtuosen Pianisten.

Ja, dieser Herman van Veen ist ein Moralist. Einer, der die Missstände anklagt: die Unterdrückung, die aus ökonomischen Interessen angezettelten Kriege, die Fremdenfeindlichkeit.

Und er ist ein Musiker. Ein Meister an der Geige, ein prächtiger Sänger, man kommt als Gast bei ihm und seiner Band voll auf die Kosten.

Vor allem aber ist er der Clown, der sich Keckheit und Frechheit noch leistet. Er ist melancholisch, rührt sein Publikum und sich selbst zu Tränen, sein Körper gehorcht ihm mit 60 bei jeder seiner artistischen Tanzeinlagen auf beneidenswerte Weise.

In Aachen spielte er zum Dank für die erwiesene Ehre bei der Euriade und zu Gunsten seiner Herman-van-Veen-Stiftung für Kinderrechte sein aktuelles „Hut ab”-Programm. Als Zuschauer kann man nur sagen: Der Name des Programms passt.