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Düsseldorf: Und dann regnet es noch bunte Schmetterlinge: Coldplay in Düsseldorf

Düsseldorf : Und dann regnet es noch bunte Schmetterlinge: Coldplay in Düsseldorf

Vor sieben Jahren liebten sie´s noch schlicht und edel und traten in Hallen wie dem Kölner Palladium vor 4000 Besuchern auf. Inzwischen lautet die Devise „opulent und spektakulär”, und die Reichweite hat sich verzehnfacht. Wie jetzt in Düsseldorf, in der Esprit-Arena, wo Coldplay vor 44.000 Fans ein grandioses Open-Air-Konzert hinlegten.

Im Grunde eine Fortsetzung der im Juni 2008 begonnenen „Viva La Vida”-Tour, so benannt nach dem vierten Studio-Album der Briten, aber trotzdem ganz anders.

Atemberaubende Kulisse

Über dem geöffneten Dach des Düsseldorfer Stadions wird der sich langsam verdunkelnde Abendhimmel zum Teil einer atemberaubenden Kulisse. Riesige, illuminierte Ballons am Dachfirst, als ob es die Lampions einer Gartenparty für Giganten wären. Eine Monster-Bühne vom Format eines Flugzeugträgers. Die PA derart aufgerüstet, dass man früher damit das Müngersdorfer Stadion hätte drei Mal beschallen können. Videos, Laser- und Lichteffekte, die auch ohne Konzert als Kunstwerke durchgehen könnten.

Wenn als Ouvertüre „An der schönen blauen Donau” erklingt, wird das Oval der Arena zum Weltraum im Walzertakt. Knappe zwei Stunden währt das Glück, Chris Martin (Gesang, Klavier, Gitarre), Jonny Buckland (Gitarre), Will Champion (Schlagzeug) und Guy Berryman (Bass, Keyboard) erleben zu dürfen. Wobei das Quartett zweimal die Bühne verlässt und, zum Entzücken der Fans ohne Sitzplätze, auf zwei Inseln mitten im Innenraum wieder auftaucht.

Mit insgesamt vier Alben, die sich insgesamt 40 Millionen Mal verkauften, braucht sich die Band weder um die Setliste noch um die Textsicherheit ihres Publikums zu sorgen. „Viva La Vida” wird zur Hymne des Abends, immer wieder von Neuem aus 44.000 Kehlen angestimmt, ein Schlachtgesang der Freude.

Noch immer beherrschen Coldplay es wunderbar, auf der Klaviatur der Gefühle zu spielen, die Süße der Schwermut zu beschwören und tief ins Tal der Trauer einzutauchen, aber inzwischen sind auch rauere, rockigere Elemente hinzugekommen. Selbst vor Techno-Variationen machen Coldplay nicht Halt.

Gleich als drittes Stück erklingt mit „Clocks” einer der unumgänglichen Klassiker, die den typischen, perlenden Coldplay-Sound etablierten. Bei „Yellow” regnet es riesige gelbe Luftballons, bei „Lovers in Japan” bunte Papierschmetterlinge, und zum Michael-Jackson-Gedenkstück „Billie Jean” dirigiert Martin eine La-Ola-Lichtwelle aus Tausenden hoch gehaltener Handy-Displays.

Was allerdings, aus Gründen des Timings, nicht ganz klappt. Gerade hier, und nicht nur bei Gänsehaut-Nummern wie „The Hardest Part”, merkt man, wie gut der Frontmann bei Stimme ist. In keiner Sekunde macht er dem verstorbenen „King of Pop” Schande.

Und dann noch eine Live-CD

„Fix You”, „God Put A Smile Upon Your Face” (auf einer der Inseln gespielt) und noch einmal „Viva La Vida” sind weitere Höhepunkte. Nachdem der Abend nach 25 Stücken von vier blendend aufgelegten Musikern mit einem Feuerwerk zu Ende gegangen ist, macht Martin denjenigen, die er immer wieder (auf Deutsch) mit „Meine Freunde” anredet, noch ein Geschenk: Jeder erhält am Ausgang eine Live-CD mit neun Stücken.