Aachen: Ulla Graf ist tot: Souveräne Solistin, engagierte Lehrerin

Aachen: Ulla Graf ist tot: Souveräne Solistin, engagierte Lehrerin

Die Aachener Pianistin und Hochschullehrerin Ulla Graf ist tot. Sie starb an den Folgen eines tragischen Unfalls. Mit ihr verliert Aachen eine Künstlerpersönlichkeit, die in den vergangenen Jahrzehnten das Musikleben wesentlich mitgeprägt hat — sowohl als Pianistin wie als Lehrende.

Die 1939 in Aachen geborene Künstlerin studierte bei Else Schmitz-Gohr an der Kölner Musikhochschule, wo sie mit dem Konzertexamen abschloss. Den letzten Schliff als Pianistin gewann sie bei dem Weltstar Bruno Leonardo Gelber in Paris. Als 1973 das Grenzlandkonservatorium in die Kölner Musikhochschule eingegliedert wurde, übernahm sie 1974 eine Professur für Klavierspiel, außerdem wurde sie Prodekanin des Aachener Instituts.

Ulla Grafs Karriere war umfassend, nicht weniger ihr Konzertrepertoire. Konzertreisen führten sie nach Paris, Brüssel, Bratislava, Haarlem oder Nancy. Außerdem spielte sie mehrere CD-Produktionen ein. Als Kammermusikpartnerin musizierte Ulla Graf mit namhaften Geigern und Cellisten sowie in Liederabenden mit der unvergessenen Aachener Sopranistin Elisabeth Ksoll. Ihr Spiel wurde nicht nur wegen ihrer technischen Souveränität gerühmt, sondern vor allem wegen ihrer feinnervigen Anschlagskultur und stilistischen Wandlungsfähigkeit.

Ulla Graf war in ihrer Heimatstadt als Pianistin regelmäßig bei den städtischen Sinfoniekonzerten zu Gast, mit vielen Aachener Generalmusikdirektoren hat sie zusammengearbeitet. Wenn sie sich später bevorzugt der Klavierpädagogik zuwandte, so geschah dies aus Überzeugung. Studenten aus aller Welt gingen bis 2002 bei ihr in die Klasse. Manche von ihnen sind heute selbst Professoren an Musikhochschulen.

Aachen verliert mit Ulla Graf nicht nur eine verdiente Musikerin, sondern nicht weniger eine so charmante wie liebenswerte Persönlichkeit.

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