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Moskau/Simferopol: Ukrainisches Kunstmuseum will Beutekunst aus Aachen behalten

Moskau/Simferopol : Ukrainisches Kunstmuseum will Beutekunst aus Aachen behalten

Nach dem Auftauchen von 87 seit dem Zweiten Weltkrieg verschollenen Gemälden des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums auf der Krim hat das Museum am Freitag das Auswärtige Amt informiert.

Das ukrainische Kunstmuseum will die Gemälde nicht zurückgeben. Die in den Kriegswirren auf die Krim gelangten Kunstwerke seien nach ukrainischem Gesetz als Kompensation für eigene Verluste zu betrachten, sagte eine Sprecherin.

Die 87 Gemälde waren 1942 von Aachen nach Meißen in die Albrechtsburg ausgelagert worden. Später waren sie in die Sowjetunion gelangt. Die Bilder galten bisher als verschollen. Nach Angaben des Aachener Museums waren die Bilder einem Touristenpaar aufgefallen. Sie machten Fotos von den Gemälden und dem Begleittext und schickten sie den Aachenern.

„Da steht explizit: "Hier werden gezeigt 87 Gemälde aus dem Aachener Suermondt-Ludwig-Museum. Die konnten bisher nicht gezeigt werden, weil die Restitutionsfrage (Frage der Rückgabe) auf staatlicher Ebene nicht geklärt war"”, zitierte Philip Becker, Kurator der laufenden Ausstellung „Schattengalerie”. Dafür hatte er „verlorene” Gemälde des Museums recherchiert. Rund 80 Reproduktionen sind ausgestellt.

Der Begleittext der Ausstellung in der Ukraine vermittle den falschen Eindruck, dass die Frage der Rückgabe jetzt geklärt sei. Das Auswärtige Amt sei auch darüber erstaunt gewesen, sagte Becker. In dem Begleittext des ukrainischen Museums heiße es weiter, dass man die offizielle Erlaubnis habe, die Bilder zu zeigen. Das Museum in der Ukraine nehme auch ganz klar Bezug auf die laufende Aachener Ausstellung „Schattengalerie”.

Das ukrainische Museum habe nicht die Absicht, über eine Rückgabe der Kunstwerke mit den Deutschen zu verhandeln, sagte eine Sprecherin in Simferopol der dpa. Das sei gemäß den geltenden Gesetzen nicht vorgesehen.

Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs habe das Museum eine der größten Sammlungen westeuropäischer Kunst innerhalb der Sowjetunion mit mehr als 2000 Werken besessen. Fast die komplette Sammlung sei im Krieg bei Luftangriffen der Deutschen auf der Krim zerstört worden.

Ein bayerisches Ehepaar hatte die Ausstellung in der Ukraine im August besucht. Der Mann habe den Aachener Dom auf einem Bild wiedererkannt. „Zusätzlich auf den Stücken sind die alten Beschriftungstafeln”, das habe den Mann stutzig gemacht, erzählte Becker. Ein Bild zeige den Blick auf den Innenraum der Kirche St. Lorenz in Nürnberg. „Da ist sowohl die Beschriftung aus Aachen darauf, darunter eine russische.”

Der Mann schaute ins Internet auf die Seite des Suermondt-Ludwig- Museums und fand die Angabe „Verbleib unbekannt”. Der Mann fragte per Mail in Aachen an, ob die Seite denn so wenig aktuell sei. Damit kam die Geschichte ins Rollen. Die Ausstellung in der Ukraine laufe seit etwa einem Jahr. „Es ist erstaunlich, dass wir erst jetzt davon erfahren”, sagte Becker.

Dass auf einmal 87 verschollene Gemälde plötzlich auftauchen, sei „großartig”. Es gehe nicht darum, die Bilder zurückzuholen. „Das wichtigste ist zu wissen, wo die Bilder sind, dass sie noch existieren und dass es ihnen gut geht, dass sie in einem guten Zustand sind.” Das habe nichts damit zu tun, ob Aachen die Bilder wiederbekomme.