Aachen: Turbinenklang im unendlich weiten Kosmos

Aachen : Turbinenklang im unendlich weiten Kosmos

Wie klingt eine Turbine? Was dröhnt im Werkzeugmaschinenlabor? Wie umfließt uns der Schall einer lebendigen Großstadt, und was bewegen diese Phänomene in uns? Gedanken, die den Komponisten Karlheinz Stockhausen auf ganz neue und experimentell revolutionäre Wege in der Musik geführt haben.

Ihm, der 2007 im Alter von 79 Jahren in der Nähe von Köln gestorben ist, hat die Gesellschaft für zeitgenössische Musik (GZM) in Zusammenarbeit mit dem Kulturbetrieb Aachen und dem Kulturlabor der RWTH Aachen das Festival „Stockhausen in Aachen: Roots of Electronic Music” vom 15. bis 17. Mai im Ballsaal des Alten Kurhauses (Komphausbadstraße 19) gewidmet.

„Er hat Lernprozesse eingeleitet, die zu einem neuen Denken und Fühlen und damit zu einer neuen Musik führten”, betont Hans-Walter Staudte, aktiver Vorsitzender der GZM.

In Aachen möchte man das Schaffen des tiefgründigen Mystikers auch jenen nahe bringen, die ihn bisher kopfschüttelnd gemieden haben. „Seine Einfälle waren oft bizarr”, erinnert sich Staudte zum Beispiel an eine Aktion, bei der Stockhausen vier Streicher in vier Hubschrauber setzte, damit sie aus lärmender Höhe sein Werk spielen konnten. „Aber letztlich ging es immer um die ewigen Naturgesetze, um das Lebendige, das Neue, das vergeht oder bleibt.”

In Aachen will man sich auf sechs der wichtigsten Kompositionen konzentrieren, die in einer speziellen „Raumklangqualität” aufgeführt werden. „Der Ballsaal wird mit einer oktophonischen Anlage überbaut, einem Kubus, bei dem die Tonspuren jeweils mit eigenen Lautsprechern verbunden sind”, so Staudte. „Man lokalisiert darunter das Klanggeschehen.”

Über neue Musik sprechen

Damit sich der Zuhörer nicht alleingelassen fühlt, gibt es am Montag, 11. Mai, 19.30 Uhr, im Seminarraum der Klangbrücke eine Einführungsveranstaltung „Hören und Sprechen über neue Musik”. Drei Tage später erweisen sich die Akteure als würdige „Erben” Stockhausens: Im „Basement Super C” (Templergraben 57) gibt es am Donnerstag, 14. Mai, 20 Uhr, ein Sonderkonzert des Kulturlabors RWTHextern.

„Viele Forschungsanlagen bieten uns Klangwelten”, erläutert Koordinator Jens Lundszien das Projekt, bei dem man in rund 20 Hallen und Labors der Hochschule Geräusche „gesammelt” hat. Unter dem Motto „Sounds of Science” hat der Saxophonist Heribert Leuchter ein improvisatorisches Soundkonzept erstellt, das er mit dem Trompeter Christoph Titz umsetzt.

Was beim Stichwort „Stockhausen” nicht fehlen darf, ist der „Gesang der Jünglinge” (15. Mai, 20.30 Uhr, Ballsaal), das erste große elektronische Werk Stockhausens zum Lob der erschaffenen Welt im Raum elektronischer Impulse. Wie nehmen Kinder und Jugendliche die Klangwelten des Komponisten auf („Moonscape”, 16. Mai, 11 Uhr Ballsaal)? Wie hat sich die Musik asiatischer Tempelinstrumente auf Stockhausen ausgewirkt („Telemusik”, „Oktophonie”, 16. Mai, 20.30 Uhr)?

Wo bleibt ein Ton, den man eben noch gehört hat, was passiert da im gewaltigen Kosmos („Cosmic Pulses”, 17. Mai, 17 Uhr, Ballsaal)? Und welche Assoziationen kann eines der bedeutendsten elektronischen Werke des 20. Jahrhunderts („Hymnen”, 17. Mai, 20.30 Uhr, Ballsaal) im einzelnen Menschen wecken? All diesen Fragen hat Stockhausen bis zu seinem Tod nachgespürt. „Ich wurde auf Sirius ausgebildet, und dort will ich auch wieder hin”, hat er einmal gesagt. In Aachen gibt es die Möglichkeit, an seinen Weltraumabenteuern teilzunehmen.

„Stockhausen in Aachen - Roots of Electronic Music”, 15. bis 17. Mai, Ballsaal im Alten Kurhaus Aachen; 14. Mai, 20 Uhr, „Sounds of Science”, Templergraben 57, Tickets Abendkasse oder Infostelle Templergraben 55. Karten im Ticketshop in der Mayerschen Buchhaltung, Buchkremerstraße, Aachen. Infos: GZM, 0241/501368