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Würselen: Tücken der Akustik

Würselen : Tücken der Akustik

Mit einer denkwürdigen Aufführung von Haydns beliebtem Oratorium „Die Schöpfung” hat sich Frank Flade von seinem Publikum verabschiedet.

Nach sechsjähriger Tätigkeit als Chordirektor des Opernchores und des Sinfonischen Chores Aachen wechselt der gebürtige Dessauer an die Berliner Staatsoper.

Der Glanz der Jubelchöre in Haydns lebensbejahendem Schöpfungs-Hymnus kam, wie erwartet, unter seiner Leitung besonders nachhaltig zum Ausdruck, auch wenn die riesige Besetzung seiner beiden Chöre der halligen Akustik in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche St. Peter und Paul in Würselen nicht glücklich entgegenkam. Besonders rasante Tempi konnte Flade unter diesen Umständen nicht anschlagen. Und wenn, dann ging die Transparenz vollends verloren.

Damit hatte natürlich auch das Sinfonieorchester Aachen mit seinem filigranen Part zu kämpfen. Dabei schlugen sich die Erfahrungen Flades als Kapellmeister hörbar nieder, so dass etwa die besonders heikle Vision des Chaos zu Beginn des Werks dynamisch fein ausgearbeitet ertönte. Allerdings setzte sich letztlich ein massiver Grundklang durch, der die kammermusikalischen Finessen des Werks immer wieder überrollte. Auch wenn man spürte, wie sehr sich Flade um eine subtilere Differenzierung bemühte.

Gegenüber der kompakten instrumentalen Beschallung hatten die Solisten einen schweren Stand. Sie waren zu einem Dauerforte gezwungen, was zu robusten Ergebnissen führte, bei denen sowohl vokale Delikatesse als auch die Textverständlichkeit auf der Strecke blieben. Zudem wollten sich die unterschiedlich timbrierten Stimmen nie so recht zu einem ausgewogenen Ensemble fügen. Mit Kraft, aber wenig Anmut erfüllte Eva Bernard den Sopranpart. Dagegen wirkte der Bassist Pawel Lawreszuk vor allem in den Höhen geradezu schwachbrüstig, womit die biblische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau auf den Kopf gestellt wurde. Der Tenorpart des Koreaners Louis Kim wurde durch unschöne Vokalverfärbungen getrübt, so dass stimmlich die Aachener Chöre den stärksten Eindruck hinterließen.

Fazit: Eine gut durchdachte Interpretation, die aber mit den Tücken der Kirchenakustik zu kämpfen hatte. Viel Beifall für alle Mitwirkenden und vor allem den scheidenden Chordirektor.