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Maastricht: Trotz Wunden: Wieder hinein, zurück ins neue alte Leben

Maastricht : Trotz Wunden: Wieder hinein, zurück ins neue alte Leben

In Maastricht wird am 31. August ein euregionales Nachsorgezentrum für Menschen mit Entstellungen eröffnet.

Die Initiatorin Monique van Oorsouw hat das Zentrum Bela Vivi gegründet, weil sie selbst die Erfahrung gemacht hat, dass Menschen mit Entstellungen nach einem Krankenhausaufenthalt oft alleine gelassen werden, und dass es schwierig ist, kosmetische und psychische Hilfe zu bekommen.

Die Niederländerin ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Vor sechs Jahren war sie Besitzerin von zwei gut gehenden Kinderboutiquen, als ein Unfall ihr Leben völlig veränderte. Am 3. Mai 2001 stand sie kurz vor sieben Uhr auf und wollte in der Küche Kaffee machen. Sie drehte den Gashahn auf und zündete ein Streichholz an. Eine riesige Stichflamme und eine Explosion, das ist alles, woran sie sich erinnern kann.

Mit schwersten Verbrennungen rannte sie zu den Nachbarn, die stellten sie unter die kalte Dusche, sie geriet in einen Schockzustand und fiel sofort ins Koma. Einen Monat später wachte sie auf, in der Spezialklinik für Verbrennungsopfer im Klinikum in Aachen. Dort wurde sie in den vergangenen Jahren unter anderem von Norbert Pallua, Direktor der Klinik für plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie am Aachener Klinikum, mehr als 70 Mal operiert.

Für viele Menschen wäre das Leben nach einem solchen Unfall sinnlos geworden, aber nicht für die Kämpferin Monique van Oorsouw. 80 Prozent ihres Körpers hatten Verbrennungen dritten und vierten Grades erlitten. Deswegen wurde sie als schwerstbehindert und damit arbeitsunfähig eingestuft, was die 40-Jährige nicht verstehen konnte: „Mein Verstand ist noch da. Nur weil ich Narben habe, sollte ich nicht mehr Arbeiten?”

Monique van Oorsouw suchte Hilfe. Sie wollte neue Augenbrauen und von Profis lernen, wie sie sich perfekt schminken und die Narben praktisch unsichtbar machen kann - sie wollte sich wieder schön fühlen. In Boston wurde ihre Haut geklont, ihr Hals wurde gestrafft, ihr Gewebe teilweise erneuert, ihre Narben wurden massiert und sie bekam einen Silikonanzug, damit die tiefen Narben schwächer würden.

Die Geschäftsführerin von Bela Vivi ist modebewusst, und das sieht man ihr an. Sie ist perfekt geschminkt und dezent-elegant gekleidet. Sie wollte sich nach dem Unfall nicht verstecken, sondern wieder mitten im Leben stehen. Diese Energie hat auch Norbert Pallua imponiert. Immer wieder schickte er verzweifelte Patienten zu ihr. Er wusste: „Wenn jemand Rat weiß, dann sie.” Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Patienten aus den Niederlanden und aus Deutschland zu ihr.

„Im Krankenhaus wird alles für die Patienten getan, danach kommen sie in die Reha, dann geht´s nach Hause und dann fallen die meisten in ein tiefes Loch”, sagt van Oorsouw. Menschen mit Entstellungen spazierten nicht einfach so bei einer Kosmetikerin ins gestylte Geschäft oder in einen Luxusfriseursalon. Diese Erfahrungen nutzt, um Betroffenen im Nachsorgezentrum zu helfen.

Monique van Oorsouw hat nach dem Unfall gelernt, positiv zu denken: Das Glas ist nicht halb leer, sondern halb voll, das sagt sie sich immer wieder. Bela Vivi hat auch mit deutschen und belgischen Krankenkassen Verträge abgeschlossen.