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Aachen/Düsseldorf: Trickdiebe: Bande wartet auf Supermarkt-Parkplätzen

Aachen/Düsseldorf : Trickdiebe: Bande wartet auf Supermarkt-Parkplätzen

Sie warten auf Supermarktparkplätzen oder in Innenstädten, sind blitzschnell und erleichtern ihre Opfer manchmal um mehrere tausend Euro: Die Polizei am Niederrhein warnt vor einer Bande, die mit einer neuen Form des Trickdiebstahls immer wieder Erfolg hat.

So sollen die bislang unbekannten Männer unter anderem auch in Aachen bereits in Aktion getreten sein. Die Opfer sind zumeist Frauen.

„Die Masche ist immer ähnlich”, sagt Hans-Willi Arnold, Sprecher der Polizei im Rhein-Kreis-Neuss. Seinen Angaben zufolge postieren sich die Mitglieder der Bande auf Parkplätzen großer Supermarktketten und spähen ihre Opfer aus. „Sie beobachten, wie diese späteren Opfer beispielsweise ihre Handtasche oder ihre Geldbörse ins Auto auf den Beifahrersitz legen und anschließend zum Kofferraum gehen, um hier die Einkäufe einzuladen”, sagt Arnold.

Anschließend geht alles ganz schnell gehen: Entweder schleicht sich einer der Täter ans Auto heran, öffnet die Tür und greift zu, wenn der Besitzer durch das Einpacken der Einkäufe am Kofferraum abgelenkt ist. „Oder die Täter lenken ihre Opfer selbst noch zusätzlich ab”, so Ermittler Ralf Korten von der Polizei in Düsseldorf. „Ein Komplize fragt nach dem Weg oder nach Wechselgeld, und in der Zwischenzeit öffnet einer der Täter das Auto und verschwindet mit den Wertgegenständen.” Mit dieser Masche waren die Täter auch schon mehrfach auf der Düsseldorfer Königsallee erfolgreich. In anderen Fällen haben die Trickdiebe gewartet, bis die Opfer ihren Einkaufswagen wegbringen. „Viele lassen in dieser Zeit das Auto geöffnet, so dass die Täter leichtes Spiel haben”, so Arnold.

Geschäftsfrau Rotraut S. aus Neuss gehört zu den Opfern der Supermarkt-Trickdiebe. Sie hatte in einem Großmarkt eingekauft und legte anschließend ihre Handtasche auf den Beifahrersitz ihres Wagens. „Danach hab ich angefangen, die Tüten in den Kofferraum zu räumen”, erzählt sie. Erst nach Verlassen des Parkplatzes sei ihr aufgefallen, dass die Handtasche verschwunden sei. „Ich hab zuerst im Supermarkt nachgefragt, doch niemand hatte hier etwas abgegeben”, so S. „Ich konnte nicht glauben, dass mich jemand bestohlen hatte. Ich stand doch nur ein paar Schritte entfernt am Kofferraum.”

Trotzdem hatten die Diebe offenbar einen unbeobachteten Moment genutzt. „Es handelt sich unseren Ermittlungen zufolge um Profis, denen reichen Sekunden”, sagt Arnold. Der Schaden im Fall von Rotraut S. war beträchtlich: 2000 Euro in bar befanden sich in ihrer Geldbörse, darüber hinaus hoben die Täter mit ihrer Kreditkarte unmittelbar nach dem Trickdiebstahl weitere 3000 Euro ab. „Mein Mann und ich mussten für alles, was wir besitzen, hart arbeiten”, so S., „und dann kommen derart widerliche Diebe und berauben mich auf eine feige Art und Weise”.

Laut Polizei machen derartige Trickdiebstähle den Opfern oft lange Zeit noch zu schaffen. „Sie halten sich ein Stück weit für dumm, weil sie sich haben übertölpeln lassen”, sagt Markus Nieczery von der Polizei in Düsseldorf. „Deshalb gibt es in diesem Bereich auch eine hohe Dunkelziffer. Manchen ist eine solche Tat derart peinlich, dass sie gar keine Anzeige erstatten.”

Von den Supermarkt-Trickdieben fehlt bislang jede Spur. Die Polizei hat nur eine vage Beschreibung. Opfer Rotraut S. hatte mehrere junge Männer, vermutlich osteuropäischer Herkunft, weglaufen und in einen roten VW-Bus einsteigen sehen. „Wir warnen davor, sich derzeit auf solchen Parkplätzen ablenken oder in Gespräche verwickeln zu lassen”, sagt Arnold. Wer nicht aufpasse, werde ganz schnell zum Opfer der Serientäter.