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Aachen: Traurige Liebe zur unerreichbaren Clara

Aachen : Traurige Liebe zur unerreichbaren Clara

Die Reihe „Amati-Kammermusik” im Ballsaal des Alten Kurhauses ist so etwas wie eine Institution geworden, die, wie auch die jüngste Veranstaltung bewies, sich sehr regen Zuspruchs erfreut.

Und das, obwohl die akustischen Bedingungen in dem schönen Raum bekanntlich problematisch sind. Gil Sharon, der langjährige Konzertmeister des Limburgischen Symphonieorchesters, hatte wiederum einen Kreis erstklassiger Mitstreiter um sich versammelt, den Pianisten Christian Ivaldi, den Klarinettisten Michel Lethiec, den Bratscher Vladimir Mendelssohn und den Cellisten Alain Neunier.

Das Programm umfasste drei seltener zu hörende Werke der klassisch-romantischen Literatur. Mozarts Kegelstatt-Trio KV 498 für Klarinette, Bratsche und Klavier ist auch dann ein reifes Meisterwerk, wenn das Gerücht zutreffen sollte, es sei während einer Kegelpartie entstanden.

Die Wiedergabe ließ daran keinen Zweifel, wenngleich sich bereits hier die räumlichen Klangprobleme bemerkbar machten: Gegen den durchdringenden Ton der Klarinette hat die Mittellage, also die Bratsche, wenig Chancen.

as war natürlich nicht den Ausführenden anzulasten, die ihre zum Teil höchst anspruchsvollen Parts souverän meisterten, war jedoch schade angesichts der Fülle der Details, mit denen Mozart jede der drei Stimmen ausgestattet hat.

Auch Gabriel Faures wunderschönes Klaviertrio spielte man in der ursprünglichen Klarinettenfassung, die der Komponist im nachhinein durch die Violine ersetzt hat.

Er wusste weshalb: Mit den beiden Streichern ist das Klangbild gegenüber dem reichen Klaviersatz ausgeglichener. Der Klari-nettist war durch sehr differenziertes Spiel bemüht, die Balance nicht zu gefährden, was angesichts des schönen, runden Cellotons von Maunier und der pianistischen Brillanz und Klangsensibilität von Ivaldi auch weitgehend gelang.

Dennoch wurde der Höhepunkt des Abends nach der Pause erreicht. Das düstere Klavierquartett c-Moll op. 60, mit dem Brahms sich seine verzweifelte Liebe um die unerreichbare Clara Schumann von der Seele schrieb, kam mit seinen Gegenüberstellungen des füllig wuchernden Klavierparts und der stellenweise symphonisch-blockartig behandelten Streicher den räumlichen Gegebenheiten entgegen. So gelang eine eindrucksvolle Wiedergabe, die den herzlichen Schlussbeifall verdiente.