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Aachen: Traumhaft schön gefärbte Stimme

Aachen : Traumhaft schön gefärbte Stimme

Es waren zwar nicht 250 Choristen wie bei der Uraufführung 1892 in New York. Doch auch die 150 Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Kirchenchören des Bistums Aachen bildeten eine stattliche Kulisse für zwei zentrale Chorwerke Antonin Dvoráks im jüngsten Domkonzert.

Allerdings hätte es selbst ein Mammutchor mit dreifacher Stärke schwer gehabt, sich gegen die orchestralen Wogen der Russischen Kammerphilharmonie aus St. Petersburg durchzusetzen.

Domkapellmeister Berthold Botzet ist es leider nicht gelungen, Chor und Orchester in eine einigermaßen ausgewogene Balance zu bringen und fegte mit dynamischem Hochdruck durch Dvoráks Messe in D-Dur und das ohnehin kräftig zupackende „Te Deum”.

Da waren die ordentlichen Leistungen des Chors zumindest in den vorderen Reihen mehr zu erahnen als zu hören. Und von differenzierter Feinarbeit blieb fast nichts übrig, ganz zu schweigen vom spezifischen Charme und Aroma der Dvorákschen Tonsprache. Schade für die intensive Vorbereitungsarbeit der aktiven Sänger.

Ein Riesentalent

Nicht ganz so dramatisch behinderte das sinfonische Getöse die vier Solisten. Der grandiose Bassist Woong-jo Choi vom Aachener Theater - ein Riesentalent auf dem Weg zu einer ganz großen Karriere - ließ sich mit seiner tragfähigen, traumhaft sicher geführten und außerordentlich schön gefärbten Stimme am wenigsten von dem rauen Umfeld beeindrucken.

Der etwas unsicher wirkende Tenor Andr?s Orosco schon mehr. Gute Leistungen ließen die Damen Melanie Krause (Sopran) und Silke Schimkat (Alt) hören.

Über das stärkste Geschütz gegen das Petersburger Dauerfeuer verfügte jedoch Domorganist Norbert Richtsteig. Mit vollem Register konnte er sich in Camille Saint-Sa?ns´ effektvoller Orgelsinfonie durchsetzen. Da drohte zwar die Kuppel des Doms in Schwingung zu geraten. Am Ende aber stand es 1:0 für die Orgel.