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Eupen: Touristische Höhen über der Wesertalsperre

Eupen : Touristische Höhen über der Wesertalsperre

„Man muss sich einfach nur fallen lassen”, erzählen die beiden Mädchen nach ihrem „Death Ride”. „Aber ein bisschen mulmiges Gefühl hat man schon.” Sie sind gerade von dem 30 Meter hohen Kletterturm gesprungen und an einer Seilwinde hängend an einem Drahtseil in die Tiefe gesaust, natürlich ordnungsgemäß gesichert.

Vorher hatten sie sich gemeinsam mit ihren Klassenkameraden der 12. Jahrgangsstufe der Königlichen Atheenäumschule in Eupen an der Außenwand bis nach oben gehangelt.

7,50 Meter hohe Kletterwand

Die Aktion sollte den Jugendlichen nicht den letzten Schultag vor den Ferien verschönern. Ihr Einsatz diente als Demonstration für die Gäste, die zur Einweihung des neu eröffneten Besucherzentrums an der Wesertalsperre gekommen waren. Der von weitem sichtbare Kletterturm ist die spektakulärste neue Attraktion. Besucher können hier jeden Samstag unter fachkundiger Anleitung die in vier Routen aufgeteilte 7,50 Meter hohe Übungswand erklimmen oder die verschiedenen Niveaus an den anderen Seiten bezwingen.

Allein der Ausblick über die Talsperre und die angrenzenden Wälder dürfte von dort ein Erlebnis sein. Für alle, die es etwas bodenständiger mögen gibt es in dem frisch renovierten Zentrum ein Restaurant und eine neue Taverne mit einer Sonnenterrasse. Daneben wartet ein Spielplatz auf den Kletternachwuchs.

Insgesamt 2,5 Millionen Euro

Mit der Umgestaltung wurde im Oktober letzten Jahres begonnen. 400.000 Euro stellte die Europäische Union durch Interreg-Mittel zur Verfügung, die gleiche Summe gab die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens dazu. Bis zur Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts Ende Juni werden insgesamt 2,5 Millionen Euro in die Infrastruktur und die Erweiterung der touristischen Angebotspalette investiert.

Dazu werden neben den neu gestalteten Parkplätzen und Grünanlagen ein Walderlebnispfad, eine Orientierungslaufstrecke und ab dem Sommer auch Segelkurse zählen. Vor allem „sanfter”, also Natur schonender Tourismus soll hier gefördert werden. In seiner Ansprache zur Eröffnung rechtfertigte Karl-Heinz Lambertz, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft, den hohen finanziellen Einsatz mit dem großen touristischen Potenzial des Sees und seiner Umgebung und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Effekten. „Viel mehr Verfall konnte der Komplex nicht mehr verkraften, um nicht zu einer staatlich subventionierten Ruine zu werden”, sagte Lambertz.

Auch privat mieten

Die Wesertalsperre gehört mit dem Feriendorf Worriken und Einrichtungen in Burg Reuland zu den „Gemeinschaftszentren”. Sie wurden vom belgischen Staat an die Deutschsprachige Gemeinschaft übergeben und unterstehen einer gemeinsamen Verwaltung und Vermarktung. Dadurch sollen die Anlagen privaten und öffentlichen Veranstaltern offen stehen, die Räume und Gastronomie anmieten können.