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Tote Kinder Opfer der NS-Euthanasie?

Tote Kinder Opfer der NS-Euthanasie?

Menden. Bei den auf einer Friedhofswiese im sauerländischen Menden gefundenen Skeletten handelt es sich möglicherweise um Opfer des NS-Rassenwahns. Es gebe einen „vagen Anfangsverdacht, dass es möglicherweise Euthanasiefälle sein könnten”, sagte Oberstaatsanwalt Heiko Oltmanns am Donnerstag.

Bei der Suche nach einem Massengrab aus dem Zweiten Weltkrieg waren zwölf Skelette von Kindern und zwei von Erwachsenen entdeckt worden. Zwei der Kinderschädel ließen darauf schließen, dass die Kinder behindert waren.

„Euthanasie” bezeichnet den Mord an Menschen, deren Leben nach NS-Ideologie „nicht lebenswert” war. Dem geheim gehaltenen so genannten Euthanasie-Programm fielen von 1939 bis 1941 in so genannten Tötungs-Anstalten rund 70.000 Menschen zum Opfer, meist durch Vergasung oder Injektionen. Nach der offiziellen Einstellung des Programms wurden weitere mehrere zehntausend Behinderte geheim getötet.

Experten des Landeskriminalamtes und der Dortmunder Zentralstelle für die Verfolgung von NS-Verbrechen begleiteten auch am Donnerstag die Arbeiten in Menden. Die Suche nach dem Massengrab war durch Zeitzeugen-Berichte ausgelöst worden, dass von einem nahe gelegenen Ausweichkrankenhaus häufiger Leichen auf den Friedhof in Menden-Barge gebracht wurden.