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Todesschütze kam im Kampfanzug

Todesschütze kam im Kampfanzug

Kerkrade (an-o/hele) - Die niederländische Justiz legt Paul S. aus Kerkrade vierfachen Mord zur Last. Der 37-Jährige habe am vergangenen Freitag vorsätzlich und kaltblütig vier Mitglieder der Familie seiner Ex-Frau erschossen.

Als deutlichstes Indiz für ihre Einschätzung wertet die Staatsanwaltschaft die Tatsache, dass der frühere Marine-Infanterist vor der Tat seinen Kampfanzug angezogen habe. Dafür hat sein Anwalt, der auch nicht an ein geplantes Vorgehen glaubt,eine ganz andere Erklärung. Demnach wollte Paul S. , der als Soldat auch in Kambodscha im Einsatz war, am Freitag Mittag der Enthüllung eines Denkmals in Roermond beiwohnen. Es erinnert an die bei UNO-Einsätzen gefallenen niederländischen Soldaten.

"Von Sinnen"

Als der 37-Jährige die Uniform aus seinem Haus holen wollte, sei er nicht hereingekommen, weil die Schlösser ausgetauscht waren. Daraufhin habe er eine Scheibe an der Rückseite des Hauses eingeschlagen und feststellen müssen, dass ein großer Teil seiner Sachen verschwunden sei. "Dann sind bei ihm die Sicherungen durchgebrannt", sagte gestern sein Anwalt aus Sittard. Paul. S. habe sich eine oder mehrere Waffen genommen und sei völlig aufgebracht zur Renierstraat gegangen, wo er seine Ex-Frau, ihre Mutter und ihren Bruder niederschoss. Anschließend sei er in das Fitness-Sudio gefahren, wo er nach einem Gerangel mit seinem jüngeren Bruder, der ihn von der Tat abhalten wollte, seinen Ex-Schwiegervater vor rund 20 Zeugen erschoss. Paul S. sei so von Sinnen gewesen, dass er gar nicht bemerkt habe, dass es sein Bruder war, der ihn aufhalten wollte.

Dessen Rechtsvertreter kündigte inzwischen an, dass er vom niederländischen Staat Schadensersatz für die ungerechtfertige Festnahme des 34-Jährigen als Mitverdächtigen fordern werde. Dieser war am Freitag im Fitnesscenter ebenfalls festgenommen, aber am Samstag nach Zeugenaussagen wieder freigelassen worden. Die Justiz betrachtet ihn niht mehr als Verdächtigen. Anwalt Marchal betont, dass die Polizei ihn nur als Zeugen hätte befragen dürfen. Zudem habe der 34-Jährige am Freitagmorgen die Wut seines Bruders bemerkt und einen Freund gebeten, die Polizei zu verständigen. Dies sei auch geschehen. Sein Mandant sei sofort zum Fitness-Center gefahren, um das Schlimmste zu verhindern. Nach dem, was ihm jetzt widerfahren sei, sei er schwer angeschlagen. Er könne sich kaum noch auf die Straße trauen, weil doch alle dächten, er habe etwas mit der Tat zu tun.

Trauerzug am Donnerstag

Zum Gedenken an die Familie Vromen wird am Donnerstag ein Trauerzug durch Kerkrade ziehen. Er beginnt um 19 Uhr an der Sportschule von Lei Vromen "Spikes Training Centre" am Tunnelweg. Der Zug wird auch am Haus der Familie in der Renierstraat vorbeiziehen. Organisiert wird er von Freunden und Bekannten der Familie.