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Aachen: „Tiny Dynamite”: Das Wetterleuchten in den Seelen

Aachen : „Tiny Dynamite”: Das Wetterleuchten in den Seelen

Wetterleuchten im Mörgens des Theaters. Der Tag in Abi Morgans Stück „Tiny Dynamite” ist heiß, die drei jungen Leute tragen - jeder für sich - eine Last.

Unausgesprochene Ängste, Sehnsüchte und Schuldgefühle prägen ihr Verhalten.

Eine Geschichte wird erzählt , in der es um drei Freunde - zwei Jungen, ein Mädchen - geht, die einst verbunden waren „wie die drei Punkte eines Dreiecks”. Was ist passiert? Ein Selbstmord? Wer war beteiligt? Wer hat seine Verantwortung nicht erkannt?

Verschlungene Story bleibt geheimnisvoll

Ursula Kohlert geht in ihrer sorgfältigen Regiearbeit behutsam mit diesen drei Charakteren um, nähert sich der verschlungenen und zum Teil auch verschleierten Story der 34-jährigen Engländerin, indem sie die Geheimnisse akzeptiert, das Rätselhafte zum Stilelement werden lässt.

„Wie die drei Punkte eines Dreiecks” stellt sie die Darsteller auf: Cornelia Dörr (Madeleine), Laurens Walter (Anthony) und Denis Pöpping (Lucien).

Mit einem Gespür für einander, für die komplizierte und vielschichtige Psychologie ihrer Figuren nähern sie sich einander, umkreisen sich, probieren Standpunkte aus, um dann wieder in ihre Ausgangsposition zurück zu kehren.

Die hellblaue Bühnenschräge, die Michael Bövers aus ungleichen Elementen zusammengefügt hat, ist Spielraum und Zeichen zugleich. Sie alle stehen „schräg” im Leben, suchen nach Befreiung, sind hilflos.

Eine der Fragen, von denen sie regelrecht hypnotisiert werden: Gibt es Wunder? Warum eigentlich nicht?

Und dann sind sie doch wieder sehr jung und auf der Suche nach dem Lachen, kauen ein Bonbon, erörtern bis hin zur skurrilen Szene, ob ein Sandwich mit Schinken tatsächlich zur tödlichen Waffe werden kann, wenn es von der Brüstung eines Wolkenkratzers herabfällt, entwerfen Spontan-Geschichten und lachen sich schief oder singen lauthals den Song, den sie alle textsicher kennen.

„Wer liebt mich am meisten?” - jene Frage, die das Mädchen aus der Geschichte vor dem Sprung von der Brücke gefragt hat, kreist im Raum. Immer wieder.

Ursula Kohlert knüpft in 70 geradezu elektrisch aufgeladenen Minuten ein feines Netz, bei dem der Zuschauer immer wieder dazu verführt wird, über das Gestern und Morgen dieser drei jungen Leute nachzudenken.

„Tiny Dynamite” - eine kleine Menge Sprengstoff mit großer Wirkung. Herzlicher und lang anhaltender Applaus.

Aufführungen auch am 25. Oktober, 1. November, 9., 21., 29. November, 20 Uhr. Karten in allen Zweigstellen unserer Zeitung, Info: 0241/5101192.