Brüssel: Tim und Struppi landen in Brüssel im Museum

Brüssel: Tim und Struppi landen in Brüssel im Museum

Der kleine Kerl mit der blonden Haartolle und seinem Hund gehört zu Belgien wie Fritten und Schokolade. 79 Jahre nach seiner Geburt auf einem Zeichenblatt seines Comic-Vaters hat er nichts von seiner Jugendlichkeit verloren.

Jetzt bekommen Tim und Struppi ein eigenes Museum: Am 2. Juni öffnet in Louvain-la-Neuve vor den Toren Brüssels das Paradies für alle, die von der ersten Mondlandung des kleinen Helden 1954 oder seiner Reise in die Sowjetunion wenige Jahre später nicht genug bekommen können.

Die Witwe finanziert den Bau

Der französische Stararchitekt Christian de Portzamparc entwarf das Haus mit seinen 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche, in dem der „Sohn” des großen belgischen Künstlers Hergé seine Heimat finden soll.

Finanziert hat das 17-Millionen-Projekt eine ältere Dame namens Fanny Rodwell, die Witwe des Zeichners. Es hat keine öffentlichen Subventionen gegeben.

Rodwell und ihrem zweiten Ehemann Nick Rodwell wird in Belgien mitunter vorgeworfen, das Erbe Hergés zu strikt zu verwalten. „Wir haben uns dafür entschieden, schöne Sachen zu machen, keine Kleinigkeiten!”, rechtfertigte sich Fanny Rodwell einmal in der französischen Tageszeitung „Le Monde”.

„Ein noch lebender Hergé hätte auch Qualität bevorzugt.”

„Qualität” - das ist auch das Motto des Museums, das im Süden Brüssels entstand, weil Fanny Rodwell in der Hauptstadt kein geeignetes Grundstück fand. Dezent beleuchtete Vitrinen, sparsames Mobiliar, ein lichtüberflutetes Atrium.

1930 begann George Prosper Remi, nach seinem Kürzel „RG” nur Hergé genannt, mit den ersten Abenteuern von „Tintin”, wie Tim auf Französisch heißt. Als Vorlage dienten ihm Zeitungsausschnitte, die er „wie ein Besessener gesammelt hat”.

Insgesamt 23 Serien entstanden, bis der große Sohn Brüssels 1983 im Alter von 76 Jahren starb.

Nicht einmal seine Witwe hatte damals geglaubt, dass Tim und Struppi weiterleben würden. Sie taten es - mit unvergleichlichem Erfolg.

Heute sind die Abenteuer des ruhelosen kleinen Reporters Tim und seines Foxterriers sowie seiner ständigen Begleiter Kapitän Haddock und Professor Bienlein in 60 Sprachen übersetzt und rund 200 Millionen Mal verkauft worden. Vor wenigen Jahren erwarben Star-Regisseur Steven Spielberg und „Herr der Ringe”-Filmemacher Peter Jackson die Rechte für die ersten drei Folgen, die 2011 in die Kinos kommen sollen.

Bis dahin hofft Museumsdirektor Laurent de Froberville auf regen Besucherandrang im neuen Museum. 200.000 Gäste werden pro Jahr erwartet, die übrigens immer wieder kommen sollten, da die gezeigten Comic-Alben, Zeichnungen, Werbeplakate und persönlichen Gegenstände Hergés ständig gewechselt werden - man will die empfindlichen Originale möglichst wenig strapazieren.

Für die wirklich eingefleischten Comic-Fans bietet Hergés Heimatstadt damit genau genommen sogar einen zweiten Leckerbissen.

Schon vor vier Jahren widmete die Stadt ihren Künstlern einen Comic-Stadtrundgang, indem man 24 Fassaden mit überdimensionalen Bildern bemalte und sie sogar in das Programm der Stadtrundfahrten integrierte.

Da treffen die groß gewordenen Kinder von einst viele ihre Lieblingshelden wieder - neben Tim und Struppi auch Stups und Steppke und Lucky Luke, der ständig die Dalton-Brüder aus dem Weg räumen muss.

Aus Liebe zum Comic

Brüssel liebt seine Comic-Künstler. Und geht dabei auch gerne kuriose Wege. So verzichteten im Februar 2007 die Politessen der europäischen Metropole darauf, Knöllchen auszustellen. Der Grund: Am 28. Februar 2007 wurde die Comicfigur „Gaston Lagaffe” von Andre Franquin 50 Jahre alt.

Gaston war in seinen Geschichten ein Bürogehilfe und weigerte sich vehement, Geld in Parkuhren zu stecken, also für das Parken zu bezahlen. Anlässlich seines 50. Geburtstages verfügte der Bürgermeister von Brüssel, dass an diesem Tag freies Parken für alle in der ganzen Stadt gelten soll.

Im Netz: http://www.museeherge.be