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Bayreuth: Thielemann ist bei den Bayreuther Festspielen ohne Konkurrenz

Bayreuth : Thielemann ist bei den Bayreuther Festspielen ohne Konkurrenz

Im ersten Jahr ohne Frank Carstorfs wüster Deutung von Wagners Nibelungen-Ring und nach dem „Blauen Delfter Wunder“ von Neo Rauchs nagelneuer „Lohengrin“-Ausstattung stehen fünf Reprisen der Vorjahre auf dem Programm der Bayreuther Festspiele. Allerdings haben sich die ersten drei Produktionen zumindest teilweise szenisch oder musikalisch erheblich gewandelt.

Die wenigsten Änderungen können an der düsteren Inszenierung des „Tristan“ durch Katharina Wagner wahrgenommen werden. Die Liebenden müssen sich nach wie vor bei sparsamer Beleuchtung durch ein eng gespanntes Röhrenlabyrinth kämpfen, das sich bis zum ernüchternden „Liebestod“ Isoldes zunehmend auflöst.

Christian Thielemann setzt hier, wie schon im „Lohengrin“, grandiose Akzente, lässt das Orchester transparent, wenn auch erheblich drängender und massiver als im „Lohengrin“, aufleuchten. Als Dirigent hat er im Augenblick auf dem „grünen Hügel“ keinen gleichwertigen Konkurrenten zu fürchten. Und die eingespielte Besetzung mit Petra Lang und Stephen Gould in den Titelpartien sorgt für zusätzlichen musikalischen Glanz der Produktion.

„Meistersinger von Nürnberg“

Das lässt sich von den im letzten Jahr aus der Taufe gehobenen und widersprüchlich beurteilten „Meistersingern“ nicht behaupten. Angefangen beim Dirigenten Philippe Jordan, der noch nicht das richtige Mittel gefunden hat, um das Orchester in dem für das Festspielhaus akustisch besonders heiklen Werk zur nötigen klanglichen Durchsicht führen zu können.

Auch etliche Unstimmigkeiten im Zusammenspiel von Orchester, Solisten und den gewohnt grandiosen Chören lassen noch gewisse Unsicherheiten erkennen. Und die Inszenierung von Barrie Kosky, dem ersten Juden, der in Bayreuth Regie führt, was immer wieder als außergewöhnliche Besonderheit herausgestellt wird, erzählt uns viel von der Rezeption des Stücks seit der Entstehung bis zum braunen Regime, aber wenig vom Stück selbst.

Beziehungen zwischen dem Werk und Wagners Antisemitismus sind außerhalb des Missbrauchs durch die Nazis nicht zu finden, sondern müssen, wie es Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin, tut, gewaltsam hineininterpretiert werden. Mit der Folge, dass die Inszenierung von Miss- und Fehlverständnissen strotzt und eher das schlechte Gewissen der Bayreuther Festspielleitung angesichts jahrzehntelanger Verdrängung der braunen Vergangenheit des Hauses beruhigen als einen seriösen Beitrag zur Werk-Deutung der „Meistersinger“ leisten kann.

„Parsifal“

Die stärksten Änderungen hat Uwe Eric Laufenberg an seinem „Parsifal“ vorgenommen, indem er symbolische Anspielungen vor allem im ersten Akt radikal reduzierte und sich um eine stärkere Präzision der Personenführung bemühte. Die Verquickung von Wagners Kunst-Religion — einschließlich dessen Kritik an einem Christentum, das seine Verpflichtung zur Empathie verloren hat — mit dem Islam führt zwar immer noch zu logischen Wackelkontakten, insgesamt empfiehlt sich die Inszenierung jedoch jetzt als ernsthafte, wenn auch unspektakuläre Deutung des Werks.

Problematischer verhält sich dagegen der neue Dirigent Semyon Bychkov, der selbst das Vorspiel und die Grals-Szenen einseitig dramatisch zuspitzte und den spirituellen Gehalt der Musik vernachlässigte. Schade angesichts einer starken Besetzung mit Andreas Schager und Elena Pankratova.