Würselen: Thees Uhlmann sorgt für Großstadt-Melancholie

Würselen: Thees Uhlmann sorgt für Großstadt-Melancholie

„Ich finde es toll, dass ihr so alt seid!“ Hamburgs Vorzeige-Indie-Rocker spart bei seinem Auftritt am Samstagabend auf Burg Wilhelmstein nicht mit augenzwinkernden Komplimenten. Mit Band und euregionalem Vorprogramm gestaltet Thees Uhlmann einen Highlight-Abend des diesjährigen Burg-Programms.

Zuvor haben bereits zwei Bands den trinationalen Anspruch des Abends zementiert. die musikalische Messlatte in angenehme Höhen gelegt. Die Intergalactic Lovers aus Belgien überzeugen vor allem Dank Sängerin Lara Chedraoui. Im Heimatland bereits in den Charts, schwappt ihr Sound mittlerweile auch in die deutsche Independent-Szene herüber. Town Of Saints, ein niederländisch-finnisches Musikkollektiv, lassen es ruhig, aber eingängig angehen.

Liebe und Erinnerungen

Uhlmann, der 2011 sein erstes Soloalbum nach erfolgreichen Jahren als Frontmann der Band Tomte veröffentlicht hat, legt sich mit seinem persönlichen Output noch einmal eine Spur Großstadt-Melancholie drauf. Musikalisch eingängig bis treibend, begleitet von einer exzellenten Background-Band, besingt der Hamburger seine Leib- und Magenthemen: die nicht immer erfüllt-erfüllende Liebe, leicht verklärte Jugenderinnerungen, Leidenschaft für Fußball und setzt den ein oder anderen kämpferischen Akzent für das Leben als Enddreißiger. Politisches Bewusstsein gegen Rechts inklusive. Eine Applaussalve seitens des Burgpublikums ist ihm sicher.

Von Beginn an hat ein gutes Dutzend Fans den Raum vor der Bühne besetzt, tanzt und schwoft sowohl zu den erfolgreichen Singles wie „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ als auch zu den heimlicheren Perlen des 2011er Albums. Stücke vom im August erscheinenden zweiten Werk streut der 38-Jährige dezent ein. Sie werden vom Publikum artig beklatscht, ehe sie dann wohl vorerst bis zum Spätsommer wieder aus den Gehörgängen verschwinden.

Überhaupt hat Thees Uhlmann einen deutlichen Hang zu zur Moderation entwickelt. Verschmitzte Anekdoten passend zum darauf folgenden Song hat er genauso drauf, wie die leicht verqueren Wortschöpfungen und Kitschbilder, die seine Texte bestimmen, aber geschickt die Küste der Peinlichkeiten umschiffen. Mit der dritten Zugabe „Die Toten auf dem Rücksitz“ endet einen launiger Indie-Abend.