Puccinis "Madama Butterfly" an der Oper Lüttich

Puccinis „Madama Butterfly“ in Lüttich : Nur ja keine sentimentalen Entgleisungen

So darf lyrischer Süßstoff klingen: Das Operhaus in Lüttich startet mit Puccinis „Madama Butterfly“ in die neue Saison. Inszenierung, Orchester und Solisten überzeugen.

Das Herz des Lütticher Intendanten Stefano Mazzonis di Pralafera schlägt für die italienische Oper. Und zwar so leidenschaftlich, dass es ihm sogar gelingt, Anna Netrebko für einen Auftritt am 20. Februar ins Königliche Opernhaus zu gewinnen. Und er lässt es sich auch nicht nehmen, die Saison mit einer eigenen Inszenierung aus dem italienischen Kernrepertoire zu starten. Mit Giacomo Puccinis „Madama Butterfly“, die Pralafera, wie man es von ihm gewohnt ist, unspektakulär und konservativ, aber sehr genau, gut durchdacht und mit großer Werkkenntnis in Szene setzt.

Die stärksten Impulse des Abends gehen freilich von der Dirigentin Speranza Scappucci aus, die mit straffer Hand durch den Abend führt, den lyrischen Süßstoff der Partitur sensibel zum Klingen bringt, ohne sich in sentimentale Gefühlsduseleien zu verlieren. Dabei berücksichtigt sie auch in angemessenen Dosierungen die klanglichen Schärfen, die Puccini der Partitur beimischte und ins Bewusstsein rufen, dass es sich um kein Rührstück handelt, sondern um ein böse Tragödie im Umfeld chauvinistisch-arroganter Kolonisationspraktiken. Der Regisseur arbeitet mit großem Einfühlungsvermögen die Wandlung der ehemaligen, in den Traditionen ihrer japanischen Heimat verwurzelten Geisha in eine junge Frau und Mutter, die sich, verstoßen von der japanischen Gesellschaft, selbstbewusst als Amerikanerin fühlt und erkennt, dass sich der glorreiche Westen ethisch noch korrupter und kaltherziger gebärdet als die alte Welt Japans.

Auch Pralafera vermeidet sentimentale Entgleisungen. Das blutige Ende der Cio-Cio-San vollzieht sich fast beiläufig, optisch distanziert ab. Denn das Haus der Japanerin als szenisches Zentrum postiert Bühnenbildner Jean-Guy Lecat weit in den Hintergrund, so dass die Figuren dem Publikum nicht zu nahe kommen, was kein Nachteil sein muss. Ein Sonderlob verdienen die Kostüme von Ferand Ruiz, der für die japanische Gesellschaft 36 aufwändige Gewänder kunstvoll per Hand bemalte, für die amerikanisierte Cio-Cio-San freilich auf etwas fantasielose Textilien zurückgreift.

Die beiden Hauptpartien sind in Lüttich doppelt besetzt. Yasko Sato verbindet in der Titelrolle stimmlich die emotionale Größe der Partie mit jugendlicher Frische. Angestrengter wirkt Dominick Chenes als Pinkerton. Alternativ stehen Svetlana Aksenova und Alexey Dolgov in den beiden Rollen zur auf der Bühne. Kultiviert gestaltet Mario Cassi den Sharpless und Sabina Willeit wertet mit ihrem warmen Mezzo die Rolle der Suzuki deutlich auf. Begeisterter Beifall für alle Akteure.

Die nächsten Aufführungen im Königlichen Opernhaus Lüttich: 21., 22., 24., 26. und 28. September. Infos und Tickets: www.operaliege.be.

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