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Theater K im Museum: Mitreißende Revue im Suermondt-Ludwig-Museum

Theater K im Museum : Mitreißende Revue im Suermondt-Ludwig-Museum

Für die Max-Beckmann-Ausstellung „Loge im Welttheater“ erweckt das Theater K Figuren des Künstlers zum Leben: „Tingeltangel“ im Suermondt-Ludwig-Museum erntet euphorischen Applaus.

Ein Abend wie ein geschliffener Diamant, der in einer edlen Fassung funkelt, hart und betörend: Das Aachener Theater K hat unter dem Motto „Tingeltangel – eine Schaustellung aus dem Beckmannschen Figurenkabinett“ für das neobarocke Marmor-Treppenhaus des Suermondt-Ludwig-Museums eine Revue erarbeitet, die den Kosmos des Künstlers Max Beckmann (1884-1950) auslotet. Seine Arbeiten zeigt das Museum unter dem Titel „Max Beckmann – Loge im Welttheater“ noch bis zum 15. Januar 2023.

Im reichen Rahmenprogramm hat sich das Theater K diesen besonderen Ort ausgesucht, um seine Uraufführung zu präsentieren. Für die „Loge im Welttheater“ entwickelte Annette Schmidt ein eindrucksvolles Programm, das pralles Leben und Denken jener wilden Jahre spiegelt, die in die Machtergreifung der Nationalsozialisten und das Grauen des Zweiten Weltkrieges münden sollten. Es ist der Tanz auf dem Vulkan, das schrille Lachen im Dunkeln, die Magie der Dichtung, die im Einklang mit Beckmanns schmerzlichen Werken ausspricht, was öffentlich lebensgefährlich gewesen wäre.

So tanzen und singen gemeinsam mit Annette Schmidt als bissiger, autoritärer Conférencière Jochen Deuticke, der „bessere Herr“ mit lüsternen Fantasien, Simone Schmitt, tanzend, dramatisch und kokett im Charleston-Fransen-Kleidchen sowie Falk Philippe Pognan, ein jugendlicher Verführer, halbseiden und männlich-selbstbewusst. Virtuos lenkt Pianist Thomas Berndt mit sichtlichem Vergnügen am Steinway-Flügel, Baujahr 1884, durch ein explosives Programm. Perfekt klappen die Aktionen auf der glatten Treppe,

Der „Tingeltangel“, ein Varieté mit Revue, Akrobaten und traurigen Clowns, ist Zufluchtsort für alle, die Betäubung und die Flucht vor den Realitäten suchen – wie auch immer. Zwischen süßlichem „Irgendwo auf der Welt“ und einem provokanten „Jawohl, meine Herrn“ seufzt Joachim Ringelnatz „Schenk mir dein Herz für 14 Tage“, ertönt Walter Kollos „Die Männer sind alle Verbrecher“. Dann wieder schleudern einander Annette Schmidt und Falk Philippe Pognan den bitteren Text „Gut, das ist der Pfennig – und wo ist die Mark?“ zu.

Zitate von Frank Wedekind, „Die verlorene Welt“, ein visionäres Gedicht von Klabund, und Franz Kafkas bewegender Text von der gequälten „lungensüchtigen Kunstreiterin“, die im Rund der Manege gefangen erscheint, verbinden sich zu einem mächtigen Zeitbild. „Der Kaffee ist undefinierbar“, ein hintergründiger Text von Wolfgang Borchert, wird zur ausdrucksstarken Miniatur. Wehmütig: Kurt Tucholskys „Augen in der Großstadt“ – „vorbei, verweht, nie wieder“.

Ein kluges, mitreißendes Programm. Mit Frank Wedekinds Lied vom „Tingel-Tangel“ endet die Revue. Euphorischer Applaus.