Grenzlandtheater startet mit Witz und Gefühl in die Saison

Grenzlandtheater Aachen : Mit blitzendem Witz und viel Gefühl

Das Aachener Grenzlandtheater zeigt zum Saisonstart die unterhaltsame Komödie „Die Studentin und Monsieur Henri“. Die Inszenierung von Anja Junski setzt auf berührende Details.

Da sind diese karierten Pantoffeln, Herrenpantoffeln. Ein kleines, seltsam berührendes Detail in Anja Junskis Inszenierung der Komödie „Die Studentin und Monsieur Henri“ von Ivan Calbérac für das Grenzlandtheater Aachen. Das Stück des 49-jährigen französischen Dramatikers, der zugleich als Drehbuchautor und Regisseur erfolgreich ist, hatte 2012 in Paris Premiere. Die Geschichte kam 2015 ins Kino, mit Claude Brasseur in der Hauptrolle. Genau am Premierenabend in Aachen konnte man den Film „Frühstück bei Monsieur Henri“ ab 23.20 Uhr im MDR sehen. Da blieb für die Premierenbesucher sogar noch die Möglichkeit zum Vergleich.

Und den besteht Anja Junskis Umsetzung für die kleine Bühne mit Bravour. Die Regisseurin setzt auf sorgsam ausgewählte Details, wie die Pantoffeln, ein altes Telefon, ein schlichtes Klavier, bis hin zum gelblich-gemusterten Handtuch im Badezimmer, das so typisch für den Seniorenhaushalt ist. Tom Grasshof schuf ein authentisches Bühnenbild und sorgte für Alltagskleidung. Eine muffige Welt, in der sich der grantelnde Witwer Henri vergraben hat.

Dann platzt Constance in dieses graue Einerlei. Der frische Wind ist durchaus unerwünscht – bis Henri langsam auftaut. Berthold Schirm spielt mit allen Fasern seines Wesens den misstrauischen, etwas wackeligen alten Mann in Seniorenweste, der niemanden an sich heranlassen will, zynische Antworten parat hat und nur auflebt, wenn er listige Pläne schmiedet. Zunächst empört und verärgert, dann neugierig, zum Schluss warm, liebevoll und wieder dem Leben zugewandt, zeichnet Schirm den Weg dieses schwierigen und sympathischen Charakters.

Sarah Härtling ist eine flotte Untermieterin Constance, die Sohn Paul organisiert, damit Henri Aufsicht hat. Zäh ringt sie um das Zimmer und legt mit ihrer schlagfertigen Art Henris Widerstand lahm. Er wird ein väterlicher Freund. Denn bei Constance läuft der Start ins Leben nicht gut. Hinter ihrer munteren Art verbirgt sich ein entmutigtes, schüchternes Mädchen.

Auch Armin Jung als zunächst stocksteifer, aber netter Sohn Paul und Katrin Wunderlich als überdrehte und doch liebevoll bemühte Gattin Valérie durchlaufen eine angenehme Entwicklung.

Anja Junski gelingt in vielen kleinen temporeichen Szenen das Mosaik der Annäherung, ein langsames, nicht immer schmerzfreies Vordringen zu den Hintergründen, eine vertiefte Zeichnung der Charaktere. Das alles geschieht unaufdringlich, unterhaltsam, fast wie im „richtigen“ Leben.

Scheinbar festgefahrene Positionen finden in Calbéracs Werk eine Auflösung. Und die geschieht in Momenten mit blitzendem Witz, treffenden Sprüchen (Deutsch von Horst Leonhard) und Details, wie etwa Pantoffeln.

Ein spannender, mal turbulenter und dann wieder stiller Start in die Spielzeit. Das Publikum ist den Figuren nah. Die Geschichte bleibt authentisch bis zum Schluss. Viel Applaus.

Mehr von Aachener Zeitung