Kurt-Sieder-Preis und Publikumspreis: Auszeichnung für das „Wahrhaftige am Schauspiel“

Kurt-Sieder-Preis und Publikumspreis : Auszeichnung für das „Wahrhaftige am Schauspiel“

Der Kurt-Sieder-Preis geht in diesem Jahr an Stefanie Rösner und Philip Schlomm. Cynthia Thurat und Luana Bellinghausen erhalten den Publikumspreis.

Schauspieler bei ihrer Arbeit, nicht selten Berufung, zuzuschauen, ist im besten Fall unabhängig von der Geschichte bewegend und beglückend. Der Kurt-Sieder-Preis – benannt nach dem ersten Intendanten des Aachener Stadttheaters und des Begründers des „Theaters im Zimmer“, dem Vorläufer des Grenzlandtheaters – und auch der in diesem Jahr erstmals vergebene Publikumspreis werfen das Schlaglicht auf eben die, die nahezu allabendlich auf der Theaterbühne stehen und dabei ihr Innerstes nach außen kehren.

„Der Kurt-Sieder-Preis wird dazu vergeben, das Besondere, das Einzigartige, das Wahrhaftige am Schauspiel der beiden Häuser in Aachen zu beleuchten“, sagte Annette Bosetti, die Vorsitzende des Stiftungskuratoriums. In der Spielzeit 2018/19 überzeugten Stefanie Rösner und Philip Schlomm die Jury der Kurt-Sieder-Stiftung. Das Publikum votierte für Cynthia Thurat und Luana Bellinghausen. Alle vier wurden gestern bei einer Matinee im Spiegelsaal des Theaters Aachen geehrt.

Rösner, seit Februar 2019 festes Mitglied im Ensemble des Theaters Aachen, überzeugte die Jury besonders mit ihrer Rolle als Cookie Close in „Für immer schön“ am Theater Aachen (Wiederaufnahme am 18. Oktober). „Das Spielen dieser Rolle ist ein schweißtreibender Kraftakt – so wie die theatralische Figur Cookie Close mit nie enden wollender Energie die verlaufende Schminke, das unaufhaltsame Elend ihrer abgehalfterten Existenz verleugnet“, erklärte Eva Rother vom Kuratorium der Kurt-Sieder-Stiftung in ihrer Laudatio.

Rösner bedankte sich mit zwei Liedern und einer oscarreifen Dankesrede an ihre persönlichen Heldinnen: Oma, Mutter und Freundin. Und sie rief ihre Kolleginnen und Kollegen dazu auf, weiterhin Heldinnen und Helden zu kreieren, die Lust machen zu denken. „Dann werden wir das Publikum immer an unserer Seite haben!“

Der Publikumspreis ging an Cynthia Thurat (3. v. l.) und Luana Bellinghausen (2. v. r.). Mit ihnen freuen sich Uwe Brandt, Anja Clemens-Smicek, Jürgen Sobik, Ralf Wagemann und Michael Schmitz-Aufterbeck (v. l.). Foto: Andreas Herrmann

Auch Philip Schlomm habe viele facettenreiche Pfeile der Schauspielkunst im Köcher, meinte Annette Bosetti, Vorsitzende des Kuratoriums in ihrer Laudatio. „Er kann, muss sie aber nicht immer alle abschießen.“ Ausgezeichnet wurde Schlomm für seine Rolle als Andrew Wyke in „Revanche“ am Grenzlandtheater. „Das Kleine, Leise, Kreative lehrt uns dieser Schauspieler.“ Und weiter: „Seine Fähigkeit zur charakterlichen Wandelbarkeit ist riesig. Genau, hingebungsvoll, drastisch kann er sein, wenn es passt, traumwandlerisch durchs Leben ziehen andererseits, Menschen verführen zum Idealismus und das Reale nicht zu weit an sich heran lassen.“

Der dreifache Familienvater und Partner einer ebenfalls freiberuflichen Schauspielerin muss der Realität aber sehr wohl ins Auge blicken. Weshalb Schlomm zusammen mit seinen beiden Söhnen Gustav und Paul im Spiegelfoyer seinen vorläufigen Abschied von der Bühne mit drei tragikomischen Liedern aus seinem Programm „Ein Abend in einer Bar“ gab. Fortan wird er als Inklusionsbetreuer regelmäßiges Einkommen erzielen. „Ich freue mich darauf, auch wenn es schöner wäre, mit meinem Herzensjob Geld zu verdienen.“

Cynthia Thurat und Luana Bellinghausen gelingt es bislang, ihre Leidenschaft als Beruf auszuüben. Aber auch sie kennen beide Seiten des Geschäfts der Schauspielerei. „Man muss es machen, wenn man es spürt. Sonst aber auf keinen Fall“, warnte Bellinghausen im Gespräch mit Anja Clemens-Smicek, Chefin vom Dienst des Zeitungsverlags Aachen. Cynthia Thurat begeisterte das Publikum des Grenzlandtheaters mit ihrer Rolle als Claire in „Arthur und Claire“. Luana Bellinghausen überzeugte die Theaterbesucher als Katrin Krämer in „Zur Hölle mit den anderen“ in der Kammer des Theaters Aachen (Wiederaufnahme am 23. Oktober).

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