Aachen: Theater K erobert mit „Schneewittchen - (K)Ein Märchen” den Lousberg

Aachen: Theater K erobert mit „Schneewittchen - (K)Ein Märchen” den Lousberg

Für Kinder sind die „Prinzessinnendramen” von Elfriede Jelinek eher weniger geeignet. Teil I mit „Schneewittchen - (K)Ein Märchen” ist da keine Ausnahme.

Das Aachener Theater K präsentiert auf dem Lousberg zwischen Waldesluft und -lust eine erfrischende Interpretation von Schneewittchen als „Wahrheitssucherin”, Opfer männlicher Gewalt und weiblicher Eifersucht.

In Mona Creutzers Konzept und Regie wird der Mythos vom unschuldigen Mägdelein witzig aufgelöst. Eine Schutzhütte wird dabei zur Bühn, die sich in alle Richtungen erweitert.

Drei Grazien verkörpern Schneewittchen. Und nicht nur diese, sondern auch die eifersüchtige Stiefmutter, die immer wieder den Spiegel befragen muss, ob sie noch die Schönste im Lande ist (Kostüme: Gabi Jacobi).

Spiegelbilder werden auch dem Publikum ganz real vorgehalten. Katharina Mathar, Barbara Port- steffen und Anna Scholten bringen die abgründigen Jelinek-Texte zum Leuchten.

Auch der Jäger, von Jochen Deuticke so martialisch wie komisch gespielt, darf hier ganz andere Seiten aufziehen. Zwar führt er den Mordauftrag der Stiefmutter nicht aus, doch vergeht er sich an dem jungen „Ding” und hasst die „Zwergerln”, die Schneewittchen aufnehmen - auch nicht ohne Hintergedanken.

Schon steht der weiße Sarg auf der bröckelnden Treppe bereit.

Aus dem Jäger tritt der Tod mit Lock-Pfeife hervor, vom Schubert-Lied „Der Tod und das Mädchen” düster-drollig begleitet. Hier funket Jelineks Witz, und wie ihr „verdorbenes” Schneewittchen ist sie eine „Wahrheitssucherin auch in sprachlicher Angelegenheit”.

In grotesken Szenen wird das Schneewittchen-Trio immer wieder ohnmächtig oder durch Schüsse hingestreckt, während der „Titaniakampf” zwischen Mutter und Tochter nie aufhört. Da hilft nur noch das „Löschprogramm des Todes”.

Am Ende drei Frauen im Sarg, eine „Beute, die ich liegen lasse”, so der tödliche Jäger, und Trolle unterm Schutzdach. Viel Beifall.

Die weiteren Termine, Tickets und Informationen

Das Theater K zeigt Jelineks Stück noch am 9., 10., 15., 16., 17., 20., 22., 23. und 24. Juli. Treffpunkt ist um 19.30 Uhr beim „Teufel und Marktfrau” am oberen Ende der Aachener Kupferstraße. Von dort geht es zum Spielort auf dem Lousberg.

Bei Regen finden die Vorstellungen in der Bastei statt. Anfragen bei unsicherer Wetterlage und Karten unter Telefon 0241/151155.