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Aachen: Theater Aachen: Dieses klingende Kindermärchen behält seinen Reiz

Aachen : Theater Aachen: Dieses klingende Kindermärchen behält seinen Reiz

Sergej Prokofieffs musikalisches Märchen „Peter und der Wolf“ hat zwar schon über 80 Jahre auf dem Buckel, dabei jedoch als weit und breit immer noch bestens klingendes Kindermärchen noch nichts von seinem Reiz verloren.

Die traumhafte Treffsicherheit, mit der Prokofieff die Tiere und Menschen charakterisiert und die einfache, aber pfiffige Geschichte ziehen nach wie vor Alt und Jung an, so dass das Aachener Theater im zweiten Familienkonzert bis auf den allerletzten Platz besetzt war. Die Begeisterung war groß, auch wenn oder vielleicht weil Lisa Klingenburg, seit anderthalb Jahren Musikvermittlerin am Theater Aachen, auf die schlichte klassische, von jeder Modernisierung oder Umdeutung unbelastete Textfassung des Originals zurückgriff, die sie am Ende des recht langen Konzerts gemütlich im Ohrensessel wie zu Opas Zeiten vortrug. Und das gefiel den teilweise sehr jungen Besuchern außerordentlich gut, zumal die hübschen bewegten Illustrationen von Thomas Ackermann, die zusammen mit Video-Animationen von Luca Fois auf den Bühnenhintergrund projiziert wurden, für zusätzlichen Charme sorgten.

Allerdings mussten sich die kleinen Besucher recht lange gedulden, bis es mit dem Märchen so richtig losgehen konnte. Zuvor erwies sich Lisa Klingenberg als gut gelaunte und einfühlsame Animateurin, als sie die Kinder zunächst erraten ließ, welches Tier oder menschliche Wesen sich hinter den musikalischen Motiven des Stücks verbargen. Rätsel, die die offensichtlich werkkundigen Kinder an diesem Vormittag schnell lösten.

Und besonders gut kam eine Lockerungsübung an, mit der Lisa Klingenburg zu den fetzigen Klängen eines Slawischen Marsches von Antonín Dvoák dem Bewegungsdrang der Kleinen entgegenkam, die bis dahin fast 40 Minuten mit Musikstücken beschallt wurden, die, wenn überhaupt, nur einen lockeren Bezug zum Märchen hatten. Sicher füllt „Peter und der Wolf“ kein ganzes Konzert aus. Doch Johann Strauss‘ Schnell-Polka „Unter Donner und Blitz“ sowie die vorbereitenden Programmpunkte von Lisa Klingenberg hätten zur Einstimmung vollends gereicht, auch wenn das Aachener Sinfonieorchester unter Leitung des Aachener „Korrepetitors mit Dirigierverpflichtung“ Hiroshi Ueno das prall gefüllte Programm mit viel Spielfreude absolvierte.

Doch wenn Lisa Klingenberg die Kinder mit ihren Motivrätseln gerade in Hochstimmung versetzt hat, wirkte anschließend Griegs schöne, aber hier deplatzierte Sarabande aus der „Holberg-Suite“ in der extrem langsamen Interpretation durch Ueno wie eine Schlaftablette. Auch die frischere Polonaise aus Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“ hielt den Ablauf nur auf. Der Begeisterung über das Hauptwerk tat das alles jedoch keinen Abbruch. Es zeigte sich, dass die Familienkonzerte weiter an Originalität gewinnen können.