1. Kultur

Aachen: The Bloodstrings: Vom Stolberger Gartenhäuschen auf die Bühne in Wacken

Aachen : The Bloodstrings: Vom Stolberger Gartenhäuschen auf die Bühne in Wacken

Schneller. Härter. Lauter! Ohne diese drei Wörter lässt sich das Wackenfestival nicht beschreiben. In diesem Jahr pilgern rund 75.000 Heavy-Metal-Fans in das beschauliche und knapp 2000 Einwohner „starke“ Dorf in Schleswig-Holstein, um Open Air die laute Musik zu hören, den harten Bass zu spüren und die schnellen Rhythmen zu feiern.

Auch vier Freunde aus Aachen fahren hin. Aber nicht, um vor der Bühne zu stehen, sondern auf ihr. Die Band The Bloodstrings darf zum ersten Mal dort auftreten.

„Das ist natürlich das Highlight für uns, auf so einem gigantisch riesigen Festival zu spielen“, sagt der Bassist der Band, Nick Josten. Er ist Mitbegründer der Band, die seit etwa zehn Jahren besteht und mittlerweile die passende Musikrichtung gefunden hat: Punkabilly. Ihr Sound ist eine Mischung aus dunklem Punkrock, Rockabilly und Psychobilly. Dazu kommt der melodische Gesang der Frontfrau Celina Baluch. Der Schlagzeuger Patrick Fest und Gitarrist Manuel Schmitz komplettieren die Band.

Swingcharakter dank Kontrabass

Josten selbst spielt kein elektronisches Instrument, sondern Kontrabass. „Das ist in der Szene eher unüblich. Unsere Songs kriegen dadurch auch ein bisschen Swingcharakter“, erklärt der gebürtige Stolberger. Melodien und Texte stammen aus den Federn der Band. Alles original, alles auf Englisch. Der Inhalt vor allem düster und ernst. „Wir verarbeiten mit der Musik unsere Gefühle. Ich selbst lass mich vom Negativen inspirieren und schreibe alles in Moll auf — meine Sehnsüchte, Wut und Ängste. Auch Selbsthass und Tod sind Thema.“ Es liege auch immer an der Zeit, an der aktuellen Stimmung, in der so ein Text entstehe. „Beim nächsten Album wird sich das sicher ändern“, sagt Josten und prognostiziert ein weniger dunkleres Album.

Kein Wunder, denn zurzeit läuft es gut bei den Bloodstrings. Besonders seitdem im Oktober vergangenen Jahres ihr zweites Album auf dem internationalen Musikmarkt erschienen ist. „Born Sick“ sei das „liebste Album der Band“ — die Songs persönlicher, tiefer, professioneller. Die musikalische Heimat scheint gefunden. Und die zeigen sie ganz Europa.

Tournee durch zehn Länder

Ihre Tournee führte die Band durch zehn Länder — nach Deutschland ist England das Land, in dem die Bloodstrings am meisten aufgetreten sind. Diesen Sommer haben die vier Musiker das erste Mal musikalisch viel zu tun, spielen viele Konzerte und Open-Air-Festivals. Aber bis die Bloodstrings allein von ihrer Musik und den Auftritten leben können, wird es wohl noch dauern. Bisher ist die Musik noch eine Nebenbeschäftigung — in Vollzeit. Das hat schon vor zehn Jahren angefangen, als die Musiker noch in Stolberg, wo die meisten aufgewachsen sind, im Gartenhäuschen geprobt haben. Kleine Auftritte in Stolberger und Aachener Clubs folgten und wurden immer mehr. Aus guten Freunden ist eine ambitionierte Band geworden. Und mehr noch: Josten und Sängerin Baluch sind mittlerweile verlobt.

Von Aachen geht es nun nach Wacken. Sie haben einen guten Slot für ihren Auftritt, nachmittags am letzen Festivaltag, Samstag, 4. August, der für eine Dreiviertelstunde angesetzt ist — für Neulinge auf dem Festival ein großzügiger Rahmen. Nur die ganz große Bühne wird es nicht. Sie spielen etwas abseits auf der kleineren Wastelandstage. „Wir sind aber schon sehr froh, dass wir dort spielen dürfen und es nicht die kleinste Bühne des Festivals ist, sondern die drittkleinste“, sagt Josten, der wie seine Bandkollegen, die alle um die 30 Jahre alt sind, noch nie in Wacken war.

Dass ihre Musik kein Heavy Metal ist, sieht Josten nicht als Hindernis, eine gute Zeit mit dem Publikum in Wacken zu haben. Im Gegenteil: „Wir haben schon mit Metalbands gemeinsam Konzerte gespielt. Das geht echt gut. Wir ergänzen mit unserer Musik schon das Spektrum des Ottonormal-Metallers.“