Aachen: Tenor Lysack verlässt Theater Aachen und kehrt als Pianist zurück

Aachen: Tenor Lysack verlässt Theater Aachen und kehrt als Pianist zurück

Morgen geht die Spielzeit am Theater Aachen zu Ende, um 15 Uhr steht zum letzten Mal Bedich Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ auf dem Programm. Wenn nach knapp drei Stunden Spielzeit dann der Schlussapplaus verklungen sein wird, geht es für die Mitwirkenden in den Urlaub.

Auf der Bühne wird auch Chris Lysack stehen, der den Jenik singen wird. Der kanadische Tenor verlässt nach nur einer Spielzeit das Aachener Opernensemble und wechselt an das Opernhaus Bremen. Nichts Ungewöhnliches in der Theaterbranche, bemerkenswert ist allerdings, dass das Aachener Publikum Lysack schon bald wiedersehen und hören kann. Allerdings in ganz anderer Funktion.

Dazu später mehr. Zum Saisonabschluss gehört auch eine Bilanz, und die hat das Theater Aachen am Freitag schon mit vielen Zahlen gezogen. Rund 160.000 Zuschauer besuchten demnach in der ablaufenden Saison die Schauspiel- und Opernaufführungen sowie Konzerte, unwesentlich weniger als in der Spielzeit zuvor. Dauerbrenner war eine Wiederaufnahme aus der Spielzeit 2014/15: Leonard Bernsteins „West Side Story“. 14.400 Zuschauer sahen 20 restlos ausverkaufte Vorstellungen. Damit sahen insgesamt 36.000 Menschen das Musical in Aachen.

Saisonbilanz in Zahlen

Bei den Neuproduktionen in der Oper liegt erwartungsgemäß Puccinis „Tosca“ mit knapp 7000 Besuchern in 14 Vorstellungen vorn, im Schauspiel kamen fast 7600 in die 17 Vorstellungen im großen Haus von „Faust 1+2 #konzentriert“. In der Kammer zog Ferdinand von Schirachs „Terror“ mit 28 ausverkauften Vorstellungen das meiste Publikum an: 4146 Zuschauer sahen die Produktion, die wie das Tanzstück „Pandora“ und Ingrid Lausunds Komödie „Benefiz — Jeder rettet einen Afrikaner“ in der neuen Spielzeit übernommen wird. Im Mörgens war Marivaux’ „Der Streit“ mit 1129 Zuschauer die erfolgreichste Inszenierung.

Wie eigentlich immer zog allerdings das Familienstück die meisten Besucher an: 33 Vorstellungen gab es von „Der satanarchälügenialkohöllische Wunschpunsch“, rund 23.650 meist junge Zuschauer verfolgten die Inszenierung. Dazu passt, das die Nachfrage nach den theaterpädagogischen Angeboten des Theaters wächst. Über 600 Schulklassen nutzten sie in der Spielzeit.

In die Konzerte des Sinfonieorchesters im Eurogress kamen rund 15.300 Menschen, knapp 1000 mehr als in der Spielzeit zuvor. Ein Erfolg, den Generalmusikdirektor Kazem Abdullah in seiner letzten Spielzeit fortsetzen will. Zum Auftakt der neuen Saison, den Kurpark Classix unter freiem Himmel am letzten Augustwochenende, hat der GMD übrigens seinen Vorgänger Marcus Bosch eingeladen, der die Verdi-Operngala dirigieren wird.

Mit Abdullah schließt sich der Kreis zu Chris Lysack. Beide eint nicht nur die Verehrung für die Musik tschechischer Komponisten (Lysack lernt sogar die tschechische Sprache), beide werden auch gemeinsam das Aachener Neujahrskonzert bestreiten. Lysack wird dabei allerdings nicht singen, sondern Klavier spielen: Gershwins „Rhapsody in Blue“. Der Anfahrtsweg wird übersichtlich ausfallen, denn der Kanadier bleibt in Aachen wohnen, auch wenn er in Bremen engagiert ist. Der 37-Jährige ist ausgebildeter Konzertpianist, praktiziert diese Kunst aber öffentlich eher selten. Dass er sich auf das Neujahrskonzert „total freut“, nimmt man ihm gerne ab. Zuvor aber steht ein ganz schwerer Brocken an seiner neuer Wirkungsstätte auf dem Programm: Der Kanadier singt die Titelpartie in Wagners „Parsifal“, mit dem am 11. September die neue Saison am Opernhaus in Bremen eröffnet wird.

(hjd)