1. Kultur

Berlin: Tempelhof macht sich für Models schön

Berlin : Tempelhof macht sich für Models schön

Die Begebenheit liegt einige Jahre zurück, aber Karl-Heinz Müller erzählt immer noch gerne, wie ein Lieferant mit einem riesigen Lkw voller Toilettenpapier vorgefahren ist. „Das war eine unvorstellbare Menge, die der Fahrer abgeladen hat”, berichtet der Chef der Bread & Butter lachend.

Inzwischen hat die Modemesse noch größere Dimensionen angenommen und eine Lkw-Ladung kann den Bedarf an Toilettenpapier längst nicht mehr decken. Etwa 80.000 Besucher werden vom 1. bis 3. Juli 2009 in Berlin erwartet. Die müssen untergebracht und versorgt werden und dazu gehören eben auch ganz banale Dinge. Für Müller und seine rund 100 festen Mitarbeiter bedeutet das eine organisatorische und logistische Mammutaufgabe.

„Zwei Tage vorher ist man noch davon überzeugt, dass nie eine Messe stattfinden wird. Und am Eröffnungstag um 10.00 Uhr ist dann alles fertig und es geht los”, beschreibt Müller die nervliche Achterbahnfahrt für ihn und sein Team. 20 Veranstaltungen hat er mittlerweile persönlich geleitet, und trotzdem hat er immer noch „verdammtes Lampenfieber”. Es gebe auch jedes Mal einen neuen Anlass: „Diesmal ist es die erste Messe in Tempelhof.”

Der ehemalige Flughafen Tempelhof als neuer Veranstaltungsort für die Bread & Butter bedeutet tatsächlich eine zusätzliche Herausforderung, da bis Anfang Juli noch einige Umbauarbeiten notwendig sind. Wie eine Perlenkette, so Müller, sollen sich die Stände der Aussteller durch das 1200 Meter lange, C-förmige Gebäude ziehen. Dafür müssen Verbindungen zwischen den Hangars geschaffen werden - natürlich in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt. Hinzu kommen Bauarbeiten, um die gesetzlichen Sicherheitsvorschriften für Großveranstaltungen zu erfüllen.

Eine weitere Herausforderung ist die Größe des Areals. Einerseits ist die räumliche Ausdehnung des Flughafengeländes notwendig, um der Messe den nötigen Platz zu bieten. Andererseits muss diese Fläche auch bewältigt werden. Deshalb gibt es für die Besucher einen Busshuttle, der die verschiedenen Teile des Flughafens miteinander verbindet. So groß wie der Flughafen, so zahlreich sind die Möglichkeiten für begleitende Events und Partys.

Auf dem Flugfeld soll ein Luna-Park samt Bühne eingerichtet werden. Abends können hier Ein- und Verkäufer jenseits der Messestände miteinander ins Gespräch kommen. Als weiterer Veranstaltungsort steht auch die Columbiahalle zur Verfügung, in der am 30. Juni die Eröffnungsparty stattfinden wird.

Müller ist sich der historischen Bedeutung des Areals bewusst und möchte ihr während seiner Modemesse gerecht werden. Er arbeitet mit dem Alliiertenmuseum zusammen, das während der Bread & Butter eine kleine Ausstellung in Tempelhof präsentieren wird. Helmut Trotnow, Direktor des Museums, will auf diese Weise nicht nur die Luftfahrtwelt nach Tempelhof zurückbringen. „Wir möchten den internationalen Besuchern erklären, was Tempelhof zu einer besonderen historischen Stätte macht und wie eng die Geschichte des Flughafens mit menschlichen Schicksalen verknüpft ist. Die Leute sollen ein Gespür für den Ort bekommen, an dem sie sich bewegen”, sagt der Museumsdirektor.

An die Vergangenheit Tempelhofs als Flughafen möchte Müller außerdem mit historischen Flugzeugen erinnern und eine „Casablanca”-Atmosphäre schaffen. Zwei alte Maschinen sind schon da, das Deutsche Technikmuseum Berlin hat sie in Tempelhof untergestellt. Auch Holger Steinle, Leiter der Abteilung Luft- und Raumfahrt im Technikmuseum, ist „sehr interessiert” an der Kooperation. Derzeit befinde sich aber alles noch in der Planungsphase.

Noch knapp acht Wochen bleiben, um die erste Bread & Butter in Tempelhof auf die Beine zu stellen. Das ist wenig Zeit, für das, was noch organisiert werden muss. Das schlimmste an so einer Veranstaltung ist für Karl-Heinz Müller jedoch immer der letzte Tag. „Ein paar tausend Hände kommen und bauen alles in Windeseile wieder ab. Dann geht es mir immer schlecht.”