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Köln: Teddys anzünden fürs Kinderwohl: TÜV testet Spielsachen

Köln : Teddys anzünden fürs Kinderwohl: TÜV testet Spielsachen

Der blonden Puppe geht es an den Kragen. Labor- Mitarbeiterin Petra Eschweiler kann keine Gnade walten lassen. In einem Raum des TÜV Rheinland in Köln schneidet sie Fetzen aus dem Plastikgesicht. Die rosa Kunststoff-Splitter kommen zusammen mit „speichelähnlicher Lösung” in ein Reagenzglas und werden lange geschüttelt.

Der TÜV will testen, ob Nuckeln an der Puppe gefährlich ist und ob zum Beispiel Weichmacher beim Schmusen in den Kinderkörper gelangen. Mini-Proben kommen in einen sogenannten Gaschromatographen, einen grauen Metallkasten. Dieser ermittelt die Inhaltsstoffe des Puppe-und-Kinderspucke-Gemischs und zeigt sie auf einem Bildschirm an.

In der TÜV-Abteilung „Produktsicherheit” werden neben Laser- Druckern oder Toastern eben auch Spielsachen getestet. Dabei wirkt manches makaber und könnte Kindertränen provozieren. „Manchmal zünden wir auch Teddys an”, sagt Sprecher Ralf Diekmann.

Ob Stofftiere allzu leicht brennbar sind, ist eine wichtige Frage fürs Kinderzimmer. Außerdem ziehen Experten mit Kleinkinderkraft (Neun Kilogramm- Zugkraft) an Puppenkleidknöpfen, um zu sehen, ob diese standhalten. Ist dies nicht der Fall, kommt der Kinderschlund-Test, der an einem Zylinder simuliert wird. Ist das Kleinteil nicht nur locker, sondern auch verschluckbar?

In den vergangenen Tagen sind Spielsachen aus Fernost wegen mangelnder Sicherheit in den Fokus geraten. Seit der US-Konzern Mattel ( „Barbie” ) etwa 20 Millionen in China produzierte Spielzeuge wegen gefährlicher Kleinmagnete oder zu hohen Bleigehalts zurückgerufen hat, dreht sich eine Debatte um Spielzeug-Sicherheit.

Mattel ist kein Kunde beim TÜV Rheinland, sondern setzte auf eigene Kontrollen. Doch eigentlich sind TÜV-Siegel wie das besonders bekannte „GS” ( „Geprüfte Sicherheit” ) bei Herstellern sehr begehrt.

Um das 1977 eingeführte Zeichen zu bekommen, gingen durch die weltweit ansässigen TÜV-Labore auch immer mehr „Made in China” - Spielsachen, sagt der Sprecher. Produzenten aus Fernost kämen an einer solchen Prüfung vor allem dann nicht vorbei, wenn sie mit großen Handelshäusern in Europa ins Geschäft kommen wollten. Die bestünden oft darauf.

Doch eine gesetzliche Verpflichtung existiere nicht. „Es sind hierzulande viel mehr ungeprüfte Spielwaren auf dem Markt als geprüfte.” Gerade in den vergangenen fünf Jahren sei der Spielzeugmarkt rasant gewachsen und nicht mehr überschaubar wie noch in den 70er oder 80er Jahren.

Eltern rät der Sprecher, beim Spielsachenkauf auf TÜV-Siegel zu achten wie etwa auch das Schadstoff-Prüfzeichen „PROOF”. Dann sei gewährleistet, dass die Produkte nicht nur einmal, sondern auch später Tests unterliegen - beispielsweise durch unangekündigte Kontrollen in Fabriken. In China seien dabei 95 Prozent der TÜV- Mitarbeiter Einheimische. „Die kennen auch die Tricks und wissen, wann man die Fabrik durch die Nebentür betreten muss, um Unregelmäßigkeiten zu entdecken.”

Beim TÜV in Köln verschweigt man nicht das größer werdende Problem des Prüfzeichen-Missbrauchs. Fälschungen dieser Art seien aber meist leicht zu erkennen. Ein TÜV-Tipp für Eltern: Die Zeichen des deutschen Prüfhauses könnten nur auf Produkten sein, deren Verpackung genaue Herstellerangaben und deutschsprachige Anweisungen tragen. Genau das aber fehle meist auf den gefährlichen Billig-Sachen.

„Hinter den falschen Sicherheitszeichen steckt nicht immer kriminelle Energie”, sagt Diekmann, „mancher Hersteller in China denkt einfach nur „Die Deutschen finden dieses Zeichen toll, also mache ich es auch drauf, dann finden sie auch meine Sachen super”.”