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Aachen: Taschengeld: Vom Auskommen mit dem ersten Einkommen

Aachen : Taschengeld: Vom Auskommen mit dem ersten Einkommen

Kleine Träume erfüllen sich Kinder von ihrem Taschengeld. Vor allem sollten sie damit trainieren, wie man mit Geld umgeht. Denn das ist gar nicht so einfach - weder für Kinder noch für Erwachsene: „Wahrscheinlich bekommt ihr alle genug Taschengeld”, sagt Rüdiger von Nitzsch, 47. „Aber jeder Mensch muss lernen, mit Geld richtig umzugehen.”

Am Freitag hat der Professor für Entscheidungsforschung und Finanzdienstleistung an der RWTH den Kinderuni-Hörern Tipps gegeben, wie man richtig mit Taschengeld umgeht. Im Hörsaal Audimax sagt er: „Ohne Geld funktioniert die Wirtschaft in einem Land nicht richtig.” Zum Beispiel brauchen wir Währungen wie den Euro, den Dollar oder den japanischen Yen, um Lebensmittel, Kleidung und auch die Arbeit der Erwachsenen zu bezahlen.

Ohne Geld könne man gar nicht sparen, sagt von Nitzsch. Damit am Monatsende noch Geld übrig ist, gebe es eine goldene Regel: „Keiner kann auf Dauer mehr Geld ausgeben, als er hat.”

Egal ob Kind, Erwachsener, Unternehmer oder Banker, jeder muss darauf achten, dass Ausgaben und Einnahmen in etwa übereinstimmen. Damit das auch den Kinderuni-Hörern gelingt, stellt von Nitzsch ihnen den Taschengeldplaner vor. In einer Spalte stehen die Einnahmen, die Ausgaben in der anderen.

Von Nitzsch rechnet ein Beispiel vor. Für März bekommt Kim acht Euro Taschengeld. 1,50 Euro gibt sie für Süßigkeiten aus. Sechs Euro kostet ihre Kinokarte. Dann bekommt sie von ihrer Oma zehn Euro. Einen Euro verdient Kim, indem sie das Auto ihres Vaters wäscht. Schließlich kauft Kim noch eine Zeitschrift (2,50 Euro). Ausgegeben hat sie zehn Euro, eingenommen 19 Euro. Neun Euro hat Kim also gespart.

Jetzt sind die 1200 Kinder im Hörsaal an der Reihe zu sparen. Zu Hause sollen sie in eine Tabelle ihre Ein- und Ausgaben eintragen. Und dann gilt es auszurechnen, ob und wenn ja wieviel Ersparnisse sie am Monatsende haben.

Das gesparte Geld lege man am besten an, um Zinsen zu erhalten, empfiehlt von Nitzsch. „Fragt eure Eltern, wie man das am besten macht, mit Sparverträgen zum Beispiel.” Die Vorteile der Zinsen erläutert der 47-Jährige kindgerecht: „Erstens, das Geld vermehrt sich von alleine. Zweitens, wer regelmäßig spart, kann sich später einige große Sachen leisten. Drittens, wer als Kind gelernt hat zu sparen, kann später im eigenen Haushalt gut mit Geld umgehen.”

Auch mancher Erwachsene behielte mit dem Taschengeldplaner vielleicht besser den Überblick. „Die Finanzplanungen, die Banken in ihrer Beratung anwenden, sind aufwendiger und komplexer. Aber vom Prinzip funktionieren sie wie der Taschengeldplaner”, sagt von Nitzsch.

Diese Planungen berücksichtigen zusätzlich Gehälter, Kredite und Steuern. Von Nitzsch kommt vom kleinsten Kreislauf des Bargeldes zwischen Bank, Eltern, Kind und Geschäft zum großen Kreislauf des Geldes: Hier spielen neben den Haushalten Staat, Banken und Unternehmen mit. Deren Ausgaben sind höher und vielseitiger - das Ausrechnen aufwendiger.

Taschengeldgangster

Ein Unternehmen zum Beispiel zahlt Gehälter an Mitarbeiter, Staat, für Rohstoffe und Werbung. „Die Unternehmen in Deutschland geben 20 Milliarden Euro für Werbung aus.” Der Professor warnt vor der Werbung: „Vorsicht vor den Taschengeldgangstern. Die Unternehmen wollen an euer Geld und bezahlen dafür eine Riesensumme. Mit ihren Angeboten und der Werbung nehmen sie nicht immer Rücksicht auf euer Wohl.” In einem Film zeigt er, wie man mit sich mit einer SMS unbemerkt ein Abo bestellt.

Eine gute Trainingseinheit für den Umgang mit Geld haben die Kinder absolviert - in der Theorie. Jetzt müssen sie das Gelernte noch in der Praxis anwenden. Dann können sie sich später auch einen großen Traum erfüllen.

Von Nitzsch fasst seine Vorlesung für den Umgang mit dem Taschengeld zusammen:

1. Plane Deine Einnahmen und Ausgaben mit einem Taschengeldplaner.

2. Kaufe nichts, wenn Du Dir dafür Geld leihen musst, das Du nicht hast!

3. Kaufe nichts nur wegen einer geschickten Werbung!

4. Versuche, Dir zu überlegen, was für Dich wichtig und was weniger wichtig ist!

5. Versuche auch immer, etwas zu sparen.