1. Kultur

Nideggen: „Tangerine Dream” mit opulenter Uraufführung

Nideggen : „Tangerine Dream” mit opulenter Uraufführung

Zum Abschluss der zweiten Eifel-Festspiele setzte Direktor Norbert Stockheim als Regisseur zusammen mit „Tangerine Dream” ein ehrgeiziges Projekt auf die Bühne von Burg Nideggen.

An zwei Abenden sahen und hörten jeweils rund 500 Zuschauer die Uraufführung von „Inferno”, dem I. Teil aus Dante Aleghieris „Göttlicher Komödie”. Mit dieser Veranstaltung verbinden die Künstler die Ankündigung, den II. Teil, „Purgatorio”, 2003 in Atlanta/USA und den III. Teil, „Paradiso”, 2004 in der Sidney Opera aufzuführen.

In der visuell opulenten Bühnen-Show steuerten Edgar Froese und Sohn Jerome an zwei Synthesizern über 80 Minuten die Partitur ihrer Musik, in die auch das Spiel der Londoner Keyboarder John Malcolm und Barry Thompson eingearbeitet war.

Die Klanggewebe dieser Musik, eine Weiterentwicklung ihres Stils, der seit 35 Jahren in über 30 Hollywoodfilmen Atmosphäre schuf und 100 Alben ermöglichte, werden auf der Bühne mehrgestaltig dynamisiert.

Die Österreicherin Iris Kulterer agiert an einem gewaltigen Arsenal von Percussion-Instrumenten und passt sich den Froeses mit wirkungsvollen Akzenten an. Sieben Sängerinnen wiegen sich im Hintergrund in Prachtgewändern mit buntem Kopfschmuck und venezianischen Masken.

Ihr mehrsprachiger Gesang bringt klangschöne Melodienbögen ein, vom Text ist freilich kaum etwas zu verstehen. Der meditative Charakter lässt das „Inferno” eher wie ein kultisches Weihespiel wirken.

Die phantasievollste Bereicherung geschieht durch die „poetische Licht-Performance”, die Jan Kirchhoff dazu mit Mustern und farblichen Wechselbädern zu magischen Verwandlungen programmiert hat, sowie ein Feuerwerk auf der Bühne. Literarisch authentisch und eine Rechtfertigung des Titels ist der Prolog.

Die italienische Rocksängerin Mara Redighieri rezitiert zwei Cantos: die Begegnung Dantes mit dem Fährmann Charon und den Besuch Satans im untersten Höllenkreis. Sie spricht die Terzinen unpathetisch, gestaltet die Verse mit graziler Körpersprache.