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Bonn: T-Shirts lügen nicht: Foreigner überzeugen in Bonn

Bonn : T-Shirts lügen nicht: Foreigner überzeugen in Bonn

Bei kritischer oder womöglich sogar gehässiger Betrachtung könnte man sagen, dass die Band auf dem Bonner Museumsplatz eine Coverband ist. Von der Foreigner-Urbesetzung von 1976 ist nur noch Gitarrist Mick Jones (62) dabei.

Keyboarder Jeff Jacobs amtiert seit 1993, Gitarrist Tom Gimbel seit 1995. Leadsänger Kelly Hansen, Bassist Jeff Pilson und Drummer Jason Bonham hingegen sind Neuzugänge von 2005. Der Abend hält, was der Tour-Titel „Greatest Hits” verspricht. 2000 Fans erleben eins von nur zwei Foreigner-Konzerten in NRW.

Zu Anfang durchaus mit etwas gemischten Gefühlen. Kann der neue Frontmann Lou Gramm ersetzen? Nein, kann er nicht. Aber er ist ihm fast ebenbürtig. Hansens Stimme ist frisch, unverbraucht, klar. Seine Intonation makellos, sein Stimmvolumen beachtlich.

Manche Stücke wie „Cold As Ice” sind mit ihrem Vorbild zu stark verhaftet, um große Experimente zu wagen. Doch auch da, wo es heißt, in Spuren zu gehen, leistet Hansen Großartiges. Aus „Urgent” etwa, ein Glanzstück der Hitperlenkette, holt er raus, was geht. Pure Spannung, bis hin zum allerletzten, allerlängsten, allerhöchsten Ton. Dass gerade hier am Anfang die Band die Stimme überlagert, ist schade.

Zweites Ass im Ärmel ist Jason Bonham. Sohn einer Legende. Sein Vater war John Bonham von Led Zeppelin. Jason Bonhams T-Shirt lügt nicht. Es trägt die Aufschrift „Wotan”. Dieser Drummer ist fürwahr ein Sturmgott. Einer, der denkt und lenkt. Bei „Dirty White Boy” knallen die Schläge wie Schüsse. Punktgenau platziert, peitschen sie den Rhythmus voran. Bei „Starrider” hingegen liefert Bonham eine wunderbar trockene, effiziente Basis ohne jede Aufgeregtheit. „Juke Box Hero” - das letzte Stück vor dem Zugabenteil und zweifelsohne der Höhepunkt des Konzerts - glänzt mit Härte und Schnelligkeit.

Die letzte Zugabe präsentiert, ganz in schweres rotes Licht getaucht, Mick Jones. An diesem Abend hat der Leadgitarrist geackert, bis der Schweiß ihm nur so übers ledrige Gesicht strömt. Mit einer Fingerfertigkeit, die bisweilen schwindlig beim Hinsehen macht. Nun strahlt er. Über den Platz rollt eine Welle des Jubels. Sie will nicht enden. Jones´ neues Line-Up hat sich in gut 100 Minuten bewährt. Dank eines charismatischen Sängers, eines begnadeten Schlagzeugers und eines ungemein ausdrucksstarken, leidenschaftlichen Bassisten. Jeff Pilson ist einer, der richtig zupackt.

Foreigner - mit mehr als 70 Millionen verkaufter Alben eine der erfolgreichsten Rockbands der Welt - funktioniert. Noch immer. Oder wieder. Je nachdem, wie man es sieht. Eine Coverband, die so gut ist, müsste man jedenfalls erst noch erfinden.