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Aachen: Suchtstoffe für sechs Millionen Euro

Aachen : Suchtstoffe für sechs Millionen Euro

Ein Drogenprozess durchaus großen Kalibers mit vier Angeklagten im Alter zwischen 26 und 42 Jahren und zehn Verhandlungstagen Dauer hat am Donnerstag in Aachens frisch eröffneten Justizzentrum begonnen.

Sicherlich, Gerichtssprecher Dr. Georg Winkel bekräftigte, der Sicherheitsaufwand sei so hoch „wie immer” bei solchen Prozessen. Doch man merkte, dass die „Füchsin” Justitia einen neuen Bau bezogen hatte und entsprechend dünnhäutig reagierte.

Denn auch für die Wachtmeister waren das neue Wege und neue Türen, die sie auf- und zuschließen mussten. Auf der flammneuen Anklagebank aus hellem Holz saßen vor der 8. Großen Strafkammer (Vorsitz Richter Harald Brandt) mutmaßliche Drogendealer, deren Aktivitäten die Polizei seit 2003 in mehreren europäischen Ländern in Atem hielt.

Der Hauptvorwurf zielt auf einen 42-jährigen Türken, dessen letzter Wohnsitz in Aachen war und der im Mai dieses Jahres nach umfangreichen Undercover-Ermittlungen festgenommen wurde.

Cemal G. wirft die Anklage unter anderem vor, in einem Drogenlager in der Türkei (die Ware wurde im Februar 2007 in Istanbul sichergestellt) mit noch anderen, gesondert verfolgten Tätern stattliche 227 Kilogramm Heroin gehortet zu haben. Der Stoff sollte in Lkw versteckt nach Belgien, Spanien und Deutschland gebracht und dort vermarktet werden. Gesamtwert: etwa sechs Millionen Euro.

Mit auf der Anklagebank sitzt auch der jüngere Bruder (26) des Hauptangeklagten, beide sagten bislang am ersten Tag nichts zu den Vorwürfen, nur Namen und Geburtsort. Dies geschah ausdrücklich auf den Rat ihrer Verteidiger, darunter auch der bekannte Eschweiler Anwalt Norbert Hack.

Der Anwalt rügte wie sein Bonner Kollege Ingo Thiel direkt zum Start die Vorgehensweise des Landeskriminalamtes (LKA). Die Undercover-Ermittler des LKA, prangerten beide Anwälte an, hätten die mutmaßlichen Drogenhändler „unzulässig angestiftet”, indem sie sich in der Szene als Drogenkuriere andienten.

Zu einem ausgewachsenen juristischen „Prozesshindernis” könne sich allerdings, so die beiden Strafverteidiger, der Einsatz von belgischen Undercover-Beamten und die prozessuale Verwertung ihrer Aussagen entwickeln. Die Belgier brachten gemeinsam mit den deutschen Kollegen schließlich die Bande zur Strecke.

Die Verteidiger, ließ sich heraushören, möchten keinesfalls auf die öffentliche Zeugenaussage der verdeckten Ermittler verzichten. Das würde beudeteten, dass sie in der Szene künftig bekannt und damit „verbrannt” sein würden. Vernähme man sie nicht, sähe Hack „den Rechtsstaat auf den Kopf gestellt”.

Schließlich sei die Arbeit ausländischer Ermittler nicht durch deutsches Recht abgedeckt, sie seien somit also nur „normale Zeugen”. Sollten sie im Verfahren nicht aussagen, könnten die Ermittlungsergebnisse im Prozess nicht verwertet werden, argumentierten die Verteidiger.

Weiter mit angeklagt ist ein 39-jähriger Maler aus Halle. Mit ihm soll Cemal G. bereits seit langem Drogengeschäfte tätigen. Unter anderem wirft die Staatsanwaltschaft beiden einen größeren Drogendeal im Jahre 2005 vor.

Da ging es „nur” um 60 Kilogramm Haschisch, als Zugabe waren noch zehn Kilo Amphetamine und weitere zehn Kilo handelsübliche „Streckmittel” auf dem Transport dabei, der gesamte Stoff soll aus den Niederlanden kommend im „Raum Aachen” eingeschmuggelt worden sein. Beim Weg von Aachen nach Halle flog der Transport auf.

Schließlich drückt ein ebenfalls 42-jähriger Immobilienhändler aus Frechen die Bank. Er soll kleinere Deals mitgemacht haben und ist wegen Beihilfe und Hehlerei angeklagt. Diese beiden sagten gar nichts zur Person. Das Verfahren wird am Montag ab 9 Uhr mit der Vernehmung von Polizeibeamten, darunter auch des LKA fortgesetzt.