Aachen: Studie über den Missbrauch religiöser Bilder durch die Nazis

Aachen: Studie über den Missbrauch religiöser Bilder durch die Nazis

Der Einhard-Verlag Aachen hat eine Dissertation über den Missbrauch religiöser Bilder durch die Nationalsozialisten herausgegeben. Die am Dienstag als Buch vorgestellte Studie des vor zehn Jahren verstorbenen katholischen Pfarrers Josef Thomik trägt den Titel „Nationalsozialismus als Ersatzreligion”.

Darin weist der Verfasser nach, wie die NS-Machthaber religiöse Bilder für ihre politisch-ideologischen Zwecke nutzten. Dabei untersuchte Thomik als vergleichender Literaturwissenschaftler die im SS-Umfeld erschienenen Zeitschriften „Weltliteratur” und „Die Weltliteratur”.

Die beiden Schriftleiter Friedhelm Kaiser und Hans Ernst Schneider waren SS-Offiziere und Spitzenmitarbeiter in der SS-Forschungs- und Lehrgemeinschaft Ahnenerbe. Thomiks Studie zeigt auf, wie die Autoren der Zeitschrift eine Ersatzreligion mit christlichen Versatzstücken und Bildern konstruierten, die letztlich das Christentum ersetzen sollte.

Thomiks Forschung führte 1995 dazu, dass der damalige Rektor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Hans Schwerte, als der „Weltliteratur”-Schriftleiter Hans Ernst Schneider entlarvt wurde. Betreuer der Dissertation war der Aachener vergleichende Literaturwissenschaftler Hugo Dyserinck.

Bearbeitet und herausgegeben wurde das Buch vom ehemaligen Aachener Diözesanbibliothekar Josef Schreier. Thomik war als Pfarrer des Bistums Aachen in Linnich im Kreis Düren tätig. Die Dissertation ist als Taschenbuch erschienen und kostet 14,80 Euro.

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