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Köln: Streit um neues Fenster im Dom geht weiter

Köln : Streit um neues Fenster im Dom geht weiter

Das neue Dom-Fenster des Künstlers Gerhard Richter würde nach Ansicht von Kardinal Joachim Meisner „eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus” als in die gotische Kathedrale passen.

„Wenn wir schon ein neues Fenster bekommen, soll es auch deutlich unseren Glauben widerspiegeln. Und nicht irgendeinen”, sagte er. Im Islam gibt es für Gebetsräume und Moscheen, aber auch darüber hinaus ein Verbot, bildliche Darstellungen zu verwenden.

Nach Ansicht des Aachener Bischofs Heinrich Mussinghoff allerdings sind auch nicht-figürliche Fenster gut für Kathedralen geeignet. Bei Kirchenfenstern sei die Lichtführung entscheidend, sagte er. Er kenne abstrakte Fenster, die gerade „durch die Lichtheit der unterschiedlichen Farben” wirkten, so Mussinghoff. Viele Menschen könnten mit figürlichen Darstellungen aber mehr anfangen.

Richters Werk im Kölner Dom, das am Samstag eingeweiht worden war, hat Mussinghoff noch nicht gesehen. „Den Künstler und einige seiner Arbeiten mag ich aber”, unterstrich der Bischof. Er erinnerte daran, dass Richter 2004 den Kunstpreis der Deutschen Katholiken erhalten hat.

Meisner fehlt

Am Festgottesdienst zur Einweihung des Kunstwerks hatte Meisner nicht teilgenommen, weil er sich in Polen aufhielt. Beobachter werteten dies als Ablehnung des abstrakten Fensters im Südquerhaus. Das Domkapitel hatte auf der 113 Quadratmeter großen Fläche ursprünglich Märtyrer des 20. Jahrhunderts darstellen lassen wollen. Dafür fand sich nach den Worten von Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner aber kein geeigneter Entwurf, so dass sich das Domkapitel für die Arbeit von Richter entschied.

Das neue Fenster misst 19 Meter in der Höhe und 9,50 Meter in der Breite. Gestaltet ist es aus 11.263 Quadraten in 72 Farbtönen. Als Vorbild diente Richter sein eigenes abstraktes Bild „4096 Farben” aus dem Jahr 1974.

Der international renommierte Künstler hatte den Entwurf der Kirche geschenkt. Die Kosten für Herstellung und Einbau in Höhe von 370.000 Euro waren durch Spenden von rund 1200 Stiftern aus dem In- und Ausland aufgebracht worden.