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Köln/München: Streit um Kunst-Erbe: Gericht gibt Unicef Recht

Köln/München : Streit um Kunst-Erbe: Gericht gibt Unicef Recht

Das Kinderhilfswerk Unicef darf nach einem Urteil des Landgerichts Konstanz nun über die mehrere hundert Millionen Euro wertvolle Kunstsammlung des Stuttgarter Kunstsammlers und Arztes Gustav Rau verfügen.

Er war schwer krank vor einem Jahr fast 80-jährig gestorben. Unicef-Vorstand Dietrich Garlichs bestätigte am Sonntag in Köln einen Bericht des Münchner Nachrichtenmagazins „Focus” über das Konstanzer Urteil. Demnach hob das Gericht die Nachlasspflegschaft für die knapp 750 Kunstwerke auf.

Die Richter sähen es als erwiesen an, dass Rau geschäftsfähig gewesen sei, als er 1999 sein letztes Testament unterschrieben habe, sagte Garlichs. Darin begünstigt der Sammler Unicef als Alleinerben.

Schätzungen reichen bis 500 Millionen Euro

Garlichs wies darauf hin, dass gegen das Urteil vom 19. Dezember innerhalb eines Monats von der Gegenseite - jenen Schweizer Anwälten, von denen sich Rau 1997 getrennt hatte - noch Revision eingelegt werden könne. Bis die Entscheidung endgültig rechtskräftig sei, werde Unicef keinerlei Kunstwerke der Sammlung veräußern.

Die Genfer Anwältin Teresa Giovannini, die Unicef nicht als rechtmäßigen Erben des Kunstschatzes ansieht, kündigte bereits Widerstand an. „Wir werden entweder gegen die Entscheidung des Gerichts vorgehen oder das Testament Raus anfechten”, sagte Giovannini am Sonntag.

Der Streit um die bedeutende Kunstsammlung - manche Schätzungen reichen bis zu 500 Millionen Euro Wert - zieht sich bereits seit Jahren hin. Rau hatte seine Privatsammlung 1997 zunächst der „Crelona”-Stiftung in Liechtenstein und der mit ihr verbundenen „Stiftung Rau für die Dritte Welt” in der Schweiz versprochen, später aber Unicef als Erben eingesetzt.

Französischer Senat soll Leihgebühr zahlen

Das Vermachen an Unicef wird von früheren Mitarbeitern und Anwälten des Mäzens angefochten. Sie bezweifeln die damalige Geschäftsfähigkeit Raus. Unicef will nach einer endgültigen rechtskräftigen Entscheidung folgendermaßen verfahren: Die Kernsammlung mit rund 150 besonders wertvollen Kunstwerken wird gemäß Raus letztem Willen 25 Jahre ausgestellt.

Hierfür sei in Paris das Musée du Luxembourg vorgesehen. Dazu solle vom französischen Staat ein Anbau an das Museum errichtet werden. Der französische Senat als Hausherr werde für die Kunstwerke Leihgebühren an Unicef entrichten.

Nach dem Vierteljahrhundert wolle Unicef dann die Kunstwerke veräußern und den Erlös der Unicef-Stiftung zukommen lassen. Sie soll zunächst das Geld erhalten, das aus der Versteigerung der anderen Werke der Sammlung zusammen- kommt. Von den jährlichen Zinserträgen würden Kinder-Hilfsprojekte unterstützt.