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Eupen: Stilmix lässt ganz Eupen klingen

Eupen : Stilmix lässt ganz Eupen klingen

Selbst die Sonne hat ein Einsehen, wenn das musikalische Großereignis über Werthplatz und Stadtpark rollt. Bei schönem Sommerwetter konnten sich die Besucher ihr „Territorium” aussuchen, um Pop- und Rockgruppen wie Pan!C TV oder Kardamoon auf sich wirken zu lassen. Insgesamt 42 Konzerte auf neun Bühnen an zwei Tagen: So viel Marathon gab es noch nie in Eupen.

Fröhlich und bunt gemischt das Publikum, das das Musikfestival zum Familien- und Volksfest macht. Nicht nur die Jungen hopsen und wippen, auch die Älteren, darunter sogar 70-Jährige, können da locker mithalten. Wer könnte da die Beine ruhig halten, zum Beispiel bei der Band Kardamoon aus dem Eupener Land, die eigene Popmusik in deutscher Sprache auf die Bühne bringt.

„Nacht und Tag” heißt ihre gerade herausgekommene CD, die Sängerin Kerstin Stickelmann mit prägnanter Stimme vorstellt. Das Lebensgefühl der unter und knapp über Dreißigjährigen wird hier „gefühlsecht” zum Ausdruck gebracht. Während „Supernatural”, die Santana-Coverband aus dem Aachener und Kölner Raum, mit ihrem Latin Rock den Stadtpark schön schrill aufheizt, kommen vorher „The Busters”, die als beste und bekannteste Ska-Band Deutschlands gelten, mit rasantem Rhythmus und viel Humor auf die Hauptbühne am Werth-platz.

Die Ska-Musik, ursprünglich vor einem halben Jahrhundert aus Jamaika herübergeschwappt, steht im Mittelpunkt der Doppel-CD „Double Penetration”, die sich wie ein roter Faden durch ihre derzeitige Tournee schlängelt. Die die zwölfköpfige Band aus Baden-Württemberg jetzt zum Eupen Musik Marathon geführt hat. Mit grimmigem Stolz auf ihre „drei Groupies” in der ersten Reihe und temperamentvoller Präzision aller Musiker „packt” die witzige Band das faszinierte Publikum, das nahtlos ins Programm eingebunden wird, mit „No Risk, no Fun”. Typisch für die Band, dass sie sich kompromisslos gegen Rassismus einsetzt - „Ska against Racism”.

Zwischen Kinderwagen, Eis und Fritten findet die Erholung Platz: vergnügte Biertrinker prosten Wassergenießern und Limosüchtigen zu. Nicht nur deutsch, niederländisch oder das „belgische Idiom” ist zu vernehmen, nein selbst auf italienisch, spanisch, englisch oder russisch wird sich hier verständigt.

„Musik ist hier die Droge, so spart man sich die Hasch-Schwaden früherer Open-air-Festivals.” Das meint jedenfalls ein flotter, aber keineswegs „falscher Fuffziger”, der als Betriebsarzt in Köln arbeitet.

Zuständig für den reibungslosen Ablauf des Großereignisses ist übrigens Chudoscnik Sunergia VoG. Später lockt Balkan Beat Box mit einem süffigen Mix aus exotischer Folklore, urbanem HipHop und einer Variante von impulsivem Jazzpunk auf den Werthplatz. Noch spannender wird es am späteren Abend: Da begeistern im Stadtpark der New Yorker Blues-Sänger und -Gitarrist Popa Chubby und seine Band mit starken Emotionen und einzigartiger Professionalität. Der in jedem Sinne gewichtige Künstler, der bereits mit sechs Jahren Gitarre zu spielen begann - nach einem Konzert mit

Chuck Berry - hat sich vom Mainstream-Blues entfernt und lebt jetzt sein Talent zwischen Soul und Hardrock à la Jimi Hendrix aus. Wer nach diesem großen Musikerlebnis noch Kraft und Lust hatte, konnte sich auf den Auftritt von Joe Jackson freuen: Der berühmte Repräsentant der britischen Postpunk-Szene, seit fast 30 Jahren im Geschäft und blass und mager wie eh und je, imponiert nicht nur den eingefleischten Fans. Und sein aktuelles Album „Rain” zeigt: Er ist noch immer da - und nie richtig weg gewesen.