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Kerkrade: Staunen über die Kunst der Chinesen

Kerkrade : Staunen über die Kunst der Chinesen

„Made in China” steht heutzutage meist für billige Kleidung, minderwertige Elektronikartikel und nachgemachte Designerprodukte. Traurig eigentlich. Umsomehr, wenn man die Ausstellung „Made in China” gesehen hat, die jetzt im Industrion in Kerkrade an der niederländisch-deutschen Grenze bei Aachen gezeigt wird.

In grauer Vorzeit

Auf tausend Quadratmetern gibt es dort chinesische Erfindungen, Technologien und Besonderheiten zu entdecken - Hightech, wenn man so will, auch wenn die gezeigten Innovationen nicht aus der Neuzeit stammen, sondern aus den vergangenen 7000 Jahren.

Teils sind es sehr banale Dinge, teils ausgefeilte technische Vorkehrungen, die das fernöstliche Riesenreich schon vor Jahrtausenden an die Weltspitze katapultierten - zu Zeiten, als die westeuropäischen Menschen noch nicht mal das Rad erfunden hatten. Damals hatten die Chinesen schon Webstühle, bestickte Seidengewänder, Schießpulver und eine weit entwickelte Medizin.

Zu den Exponaten der kinderfreundlich gehaltenen, in weiten Teilen interaktiven Ausstellung gehören zum Beispiel ein genialischer, frühzeitlicher Seismograph, mit dem chinesische Wissenschaftler Erdeben auswerten konnten, als in Europa noch an den Donnergott Thor geglaubt wurde.

„Wir zeigen hier eine fabelhafte Zusammenstellung der besten Exponate unserer Ausstellung”, sagt Professor Jianguo Wang, Leiter des chinesischen Nationalmuseums für Wissenschaft und Technology aus Peking.

Der freundliche Mann, eigens für die Ausstellungseröffnung aus Peking angereist, gibt erstaunliches preis: Die 250 Exponate gehen regelmäßig auf Wanderschaft. New York, Rio, Vancouver etc.: „Wir freuen uns, dass diese Ausstellung, nachdem schon 6,7 Millionen Menschen sie besucht haben, jetzt endlich auch in Kerkrade gezeigt werden kann”, sagt Professor Wang.

Weitere Schwerpunkte der Ausstellung sind neben verblüffenden Apparaturen eine überraschend abwechslungsreiche Auswahl aus einer Vielzahl von Themenfeldern: Aus der Medizin, wo eine große Tafel mit etwa 40 Zungenmodellen beispielsweise Auskünfte über den Gesundheitszustand eines Patienten geben soll, aus der chinesischen Architektur, wo mit zahlreichen Modellen nicht nur die Schönheit, sondern auch die Standfestigkeit alter Bauweisen gezeigt wird, sowie aus Keramik, Textil- und Metallproduktion.

Chinesische Handwerker

Schön anzusehen und ein echter Vorteil für Familien: Das Industrion hat in der für die niederländischen Museumsmacher typischen Art Monate harter Arbeit darauf verwandt, die Ausstellung kindgerecht zu gestalten. Zu vielen Exponaten gibt es kleine Stände, an denen Kinder die Technologie des jeweiligen Exponates nachahmen können, beispielsweise einen chinesischen Dachstuhl en miniature nachbauen können.

Ausgefallenster Bestandteil der Ausstellung sind allerdings die elf chinesischen Handwerker, die, ganz aus Fleisch und Blut, vor Ort live und in Farbe alte chinesische Handwerkstechniken wieder aufleben lassen und zum Zugucken Papier herstellen, Pappdrachen bauen, Miniaturfiguren aus Holz schnitzen oder wundersam schöne Bögen mit kunstvoller Kalligraphie volltuschen.

Und das Beste daran: Die liebevoll gemachten Dinge lassen sich für kleines Geld erwerben, man kommt so an ein sehr preiswertes und vor allem echtes Souvenir aus China.