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Würselen: Starke Klangbilder: Publikum feiert Tri Continental

Würselen : Starke Klangbilder: Publikum feiert Tri Continental

Die unruhige Welt bleibt für zwei Stunden vor den Toren. Auch an den gewittrigen Regen und die ungemütliche Nacht rund um das Gemäuer von Burg Wilhelmstein dachte niemand mehr, als diese drei Gitarristen in ihrer stillen Selbstverständlichkeit die Bühne eroberten.

Tri Continental - das sind drei kanadische Musiker der Spitzenklasse: Bill Bourne, der Mann mit dem kuriosen Vogelscheuchen-Outfit, der schartig-einprägsamen und den isländischen Wurzeln, Madagascar Slim, dessen Name schon die Herkunft verrät, und Lester Quitzau, Sohn dänisch-niederländischer Eltern mit langen blonden Locken und Jungengesicht. Vierfach wurden sie mit dem „Juno”, der kanadischen Grammy-Variante ausgezeichnet - wer sie hört, versteht das.

Zunächst gibt es allerdings die Begegnung mit Mary Coughlan, der warmherzigen, stimmschönen Sängerin aus Irland. Folkig liefert sie den Einstieg, erinnert mit ein paar Songs an Billie Holiday, taucht ab in Bluesvarianten und Balladen. An ihrer Seite ist James Delaney der einfühlsame Mann am Klavier. Auf ihrer neuen CD „Red Blues” sind auch Tri Continental zu hören. Ein guter Grund, den Abend miteinander zu bestreiten.

Man wechselt die Plätze. Die drei Gitarristen, umgeben von ihren Instrumenten, nehmen bescheiden die Stühle ein. Ein sanftes, dumpfes Pochen. Das ist der anhaltende „Herzschlag” dieses Trios, den Bill Bourne mit den „footstomps”, dem „Stampfbrett”, sachte vorgibt.

„Voodoo King”, der erste Titel der Doppel-CD „live” prägt den Auftakt eines Abends der außergewöhnlichen Impressionen. Was auch immer Musik ausmacht - Tri Continental haben es verinnerlicht und daraus einen vielfarbigen und typischen Stil geprägt. Hier leuchtet Rockiges auf, dort ein Element aus der Folkmusik, Traditionelles aus Madagaskar, schlichte Volksweisen, Cowboy-Jodler, Jazz, Blues...

Ein Blick genügt, und die Stimmführung wechselt, das Klangbild wird zunehmend durchsichtig in Madagascar Slims atemberaubend filigraner Spieltechnik, wandelt sich wiederum durch Bill Bournes Blues-Leidenschaft und erhält schließlich Glanzpunkte in den hoch gezogenen Tönen des leidenschaftlichen Slide-Experten Lester Quitzau.

Je länger ein Titel im Bannkreis dieser drei kursiert, umso mehr entfaltet er fantasievolle Variationen, Klangspielereien, verschlungene Wege über Höhen und durch tiefe Täler. „Dance and Celebrate”, „The House” - fröhliche Zugaben für ein Publikum, das gar nicht genug bekommen kann.