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Bonn: Staatsanwaltschaft: Anklage wegen „Ehrenmord”

Bonn : Staatsanwaltschaft: Anklage wegen „Ehrenmord”

14 Jahre nach einem „Ehrenmord” an einem 17- jährigen Mädchen in Bonn sind zwei Syrer wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt worden. Das bestätigte am Dienstag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Bonn.

Die mutmaßlichen Täter sind der jetzt 65-jährige Vater des Mädchens und ein 39-jähriger Cousin. Der Aufenthaltsort eines weiteren Mittäters konnte bislang nicht ausfindig gemacht werden.

Laut Anklage wurde die 17-Jährige in den frühen Morgenstunden des 16. August 1993 im Schlaf mit einem Seil erdrosselt und anschließend in einer „überdimensionalen Kiste” in den Westerwald gefahren. Bei Asbach soll sie in einem Erdloch vergraben worden sein. Die sterblichen Überreste der 17-Jährigen konnten bislang nicht gefunden werden.

Der angeklagte Vater hat die Tat der Staatsanwaltschaft zufolge gestanden. Er habe seine Tochter, die bereits in der Pubertät den muslimischen Glauben missachtet und sich von der Familie entfernt habe, töten müssen, so seine Aussage. Durch ihren Lebenswandel habe sie seine Ehre und die Ehre der Familie verletzt.

Zwei Monate nach dem „Ehrenmord” hatte der Vater dem Jugendamt mitgeteilt, dass er der Behörde das Sorgerecht für die Tochter übertrage - mit der Begründung, dass sie nicht mehr zu Hause wohnen wolle. Das Ausländeramt verzeichnete Ende 1994 den „unbekannten Wegzug” der jungen Frau. Warum der Mordfall erst im März 2007 ans Tageslicht kam, unterliegt nach Angaben der Staatsanwaltschaft strengster Geheimhaltung. Die beiden Angeklagten befinden sich seitdem in Untersuchungshaft.