Aachen: Spuren spannender Vergangenheit

Aachen: Spuren spannender Vergangenheit

Dieses Buch ist eine „Handakte”, die dem Abgesandten der Aachener Protestanten bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Münster (1645-1648) vermutlich große Dienste als Argumentationshilfe geleistet hat.

Es enthält Abschriften von wichtigen Urkunden, Verträgen, Briefen und sogar Liedtexte - eine Kostbarkeit für die Evangelische Gemeinde, die 2003 ihr 200-jähriges Bestehen feiert. Mit großzügiger Unterstützung der Aachener Verlagsgesellschaft konnte die wertvolle Handschrift, die bisher unbekannte Dokumente zum schweren Schicksal der Protestanten enthält, jetzt erworben werden.

„Documents et Pièces pour servire à lhistoire de la ville DAix-La-Chapelle” - der in schön geschwungener Kurrent-Schrift verfaßte Titel dieses Werkes wurde erst im 19. Jahrhundert eingefügt.

Brisanz besaß dieses Buch, das als Kopiar in der Zeit 1633/45 eine kostspielige Arbeit darstellte, jedoch bereits zu Zeiten der Friedensverhandlungen in Münster. Hier war es vermutlich „Handakte” und Argumentationsfundus für die Delegierten der arg gequälten Aachener Protestanten jener Zeit.

Jetzt ist die Handschrift, die mit finanzieller Hilfe der Aachener Verlagsgesellschaft und durch Vermittlung von Dr. Anton Sterzl, ehemaliger Chefredakteur unserer Zeitung, beim Antiquariat Hamelink im Terneuzen (NL) erworben werden konnte, eine kostbare Quelle für die Nachforschungen der Evangelischen Gemeinde Aachen, die 2003 ihr 200-jähriges Bestehen feiert.

„Bis dahin werden wir es noch nicht auswerten können”, sagt Pfarrer Dr. Uwe Rieske-Braun, der zusammen mit seinem Amtsbruder Johannes Wever, dem Archivpfleger des Kirchenkreises, das Werk nun in Empfang nahm. Umfangreiche Sondierungen hat zuvor Dietmar Kottmann vom Rechtsamt der Stadt Aachen unternommen. Der leidenschaftliche Sammler von Dokumenten zur Geschichte Aachens war diesem Werk seit gut drei Jahren auf der Spur.

„Es enthält Informationen, die selbst in neuesten Arbeiten zu Themen dieser Zeit nicht zitiert werden”, freut er sich.

In deutscher, französischer, lateinischer und niederländischer Sprache sind die auf 285 Seiten eingearbeiteten Schriften verfasst.

Die Schrift auf handgeschöpftem Papier ist fein und professionell - gegen Ende allerdings ein wenig „eilig”, denn das allem Anschein nach in der Kanzlei des „kaiserlichen Notarius” Abraham Roemer im Aachener Haus Löwenstein entstandene, in feines Schweinsleder gebundene Buch, das man einst mit zwei grünen Leinenbändern verschließen konnte, wurde dringend gebraucht.

„Vermutlich hat es Georg Ulrich Wenning, einer der Deputierten in Münster, bei sich geführt”, wirft Pfarrer Wever einen Blick in die Vergangenheit und auf den langjährigen Pfarrer der Gemeinde Aachen/Vaals. Er war erster Seelsorger dieser protestantischen Gemeinde, die sich jenseits der Grenze formieren und das Hochdeutsch als Amts- und Predigtsprache sprechen durfte.

Das Schicksal des Buches? Vermutlich gehörte es später zur Bibliothek einer Adelsfamilie in der Lütticher Region. Bis zum Jubiläum der Gemeinde im kommenden Juli will man nun wenigstens ein paar seiner Geheimnissse lüften.

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