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Aachen: Sportbauten: Kommunen entscheiden selbst

Aachen : Sportbauten: Kommunen entscheiden selbst

Fußballer, kommst Du zu Raspo Brand, so wirst Du Dich wundern... Denn Raspo steht für Rasensport. Von sattem grünen Gras aber ist auf dem Fußballplatz im Brander Feld nichts zu sehen.

Auf staubiger Asche spielen und trainieren die Grün-Weißen aus Aachen-Brand seit den 70er-Jahren. „Der Name Rasensport stammt noch aus der Gründerzeit des Klubs”, erklärt Jugend-Kassenwart Benno Rombach. Damals vor 100 Jahren seien die Kicker auf der Wiese an der Brander Donatus-Kirche dem Leder hinterher gejagt.

Doch schon bald soll bei Raspo wieder drin stecken, was drauf steht - jedenfalls wenn es nach Benno Rombach und seinen Klubkollegen geht. Ein Platz reiche für 20 Jugend- und Seniorenteams einfach nicht aus. Bereits 1976 war ein zweiter Platz für die DJK Rasensport Brand bei der Stadt Aachen vorgesehen, der schließlich im Jahr 2000 als Kunstrasenplatz neu beantragt wurde. „Der würde unsere Platzprobleme arg entzerren”, begründet Rombach.

Anwohnerschlüssel entscheidet

Folglich gabs einen entsprechenden Förderantrag beim Regierungspräsidenten in Köln, der für die Bewilligung von Landesfördermitteln für Sportbaumaßnahmen zuständig war. Ja, war. Denn: „Seit 2004 ist er es nicht mehr”, erklärt der Leiter des Aachener Sportamts, Hans Georg Suchotzky. Nach einem Anwohnerschlüssel stelle das Land Nordrhein-Westfalen nun jeder Kommune einen Betrag für Sportbauten zur Verfügung, den sie selbst verteilen kann. In Aachen sind das 590.717 Euro, über deren Verwendung der Sportausschuss erstmals am 18. Mai berät.

„Das neue System ist viel schneller und unbürokratischer”, sagt Amtsleiter Suchotzky. Der Umweg über Köln habe „meistens zwei Jahre oder mehr” gedauert. Zudem stehe der Stadt Aachen mit „knapp 600.000 Euro so viel Geld zur Verfügung wie früher in vielen, vielen Jahren zusammen”.

Raspo-Antrag steht ganz oben

Auf einen Teil dieses Geldes dürfen jetzt auch Benno Rombach und Raspo Brand hoffen. Denn mit der Umstellung ist der Antrag seines Vereins wieder aus Köln nach Aachen heimgekehrt und wird in der Ausschusssitzung am 18. Mai beraten. „Die genaue Vorlage für diese Sitzung ist zwar noch nicht erstellt”, sagt Gerta Keller. „Aber”, so die Abteilungsleiterin im Aachener Sportamt, „der Antrag steht ganz oben auf unserer Prioritätenliste”. 1.033.000 Euro werde der neue Kunstrasenplatz kosten. Dieses Spielfeld wird ebenso wie der bereits bestehende Aschenplatz im Brander Feld samt Vereinsheim und Turnhalle städtisches Eigentum sein. Das Geld sei bereits im Aachener Haushalt für 2004 eingeplant, allein „unser Haushalt ist ja derzeit noch nicht genehmigt”, sagt Gerta Keller.

Sportler sind Bürger

Also werden die Raspo-Kicker wohl selbst dann noch auf den Baubeginn warten müssen, wenn der Sportausschuss am 18. Mai einen Zuschuss aus den Landesmitteln gewährt. Unter der Finanznot der Kommunen haben eben auch die Bürger und unter ihnen freilich ebenfalls die Sportler zu leiden. In Aachen sind das immerhin etwa 50000 Menschen, die in 250 Vereinen 70 verschiedenen Sportarten nachgehen. Am besten unter ihnen gehts dabei den Jüngsten. Die Aachener Jugendsportförderung ist zwar von 320.000 (1994) auf 179.000 Mark (1999) gekürzt worden. Sie ist aber seitdem mit 89.000 Euro konstant. Das sind in diesem Jahr 5,85 Euro je Vereinsmitglied unter 18 Jahren - egal, ob auf Asche, Rasen oder Kunstrasen.


Zum Thema:

Für 2004 stellt das Land den Kommunen erstmals eine Pauschale zur Förderung städtischer Baumaßnahmen und vereinseigener Sportstätten zur Verfügung. Sie richtet sich nach der Einwohnerzahl, beträgt aber mindestens 40.000 Euro. Aachen erhält 590.717 Euro.

Das Land fördert Leistungszentren: In Aachen etwa die Anlage der Kunst- und Turmspringer des SV Neptun.

Die Stadt Aachen fördert vereinseigene Baumaßnahmen und die Anschaffung von Sportgeräten mit 20.000 Euro im Jahr.

Aachen gewährt fünf Vereinen mit vereinseigenen Sportstätten Betriebskostenzuschüsse von insgesamt 26.230 Euro.

Drei ausgewählte Sportveranstaltungen (2004 u.a. der Trampolin-Weltcup in Burtscheid) werden mit jeweils 1500 Euro gefördert.

Vereine mit mindestens zehn Mitgliedern unter 18 Jahren erhalten 5,85 Euro pro Jugendlichem. Insgesamt sind das in Aachen 89.000 Euro.