1. Kultur

Aachen: Spiritueller Ausdruck, musikalische Feinarbeit

Aachen : Spiritueller Ausdruck, musikalische Feinarbeit

Drei Trauermusiken in Folge, die aber mehr Freude bereiteten als manches weltliche Konzert in strahlendem Dur. Das liegt einerseits an den Wundern der Musik Mozarts, andererseits an der Qualität der Interpretationen, mit denen Aachens Generalmusikdirektor Kazem Abdullah jetzt im Domkonzert seine Erfolgsserie fortsetzte.

Eine so glückliche Symbiose aus spiritueller Ausdruckskraft und musikalischer Feinarbeit war in den Domkonzerten der vergangenen Jahre nicht immer zu hören. Abdullahs Vorgänger Marcus Bosch setzte zwar hohe Maßstäbe, vernachlässigte mit seinem forschen Stil jedoch wiederholt die geistigen Dimensionen der Werke. Auch Abdullah setzt auf einen zügigen Fluss der Musik, achtet aber penibel darauf, dass jede Linie, jeder Ton ohne Hektik hörbar bleibt und die klangliche und emotionale Wirkung erhalten bleibt.

Vorbildlich bereits der Auftakt mit Mozarts viel zu selten zu hörender „Maurerischen Trauermusik“, einem der elektrisierendsten Werke des Meisters, wenn man die geniale Instrumentierung mit ihrem dunklen Grundteint so leuchtend zum Klingen bringen, die getragenen Melodien so innerlich erfüllt phrasieren und die mächtigen Steigerungen ohne jeden äußerlichen Druck entwickeln kann wie Abdullah und seine Mitstreiter. Klanglich perfekt ausbalanciert setzte der GMD bereits mit diesem kurzen orchestralen Einstieg die Messlatte sehr hoch an.

Die noch seltener anzutreffende „Grabmusik“ KV 42, eine Passionskantate für zwei Solisten, ist mit ihren da-capo-Arien formal und in der Instrumentierung zwar recht konventionell ausgerichtet. Dass es sich dabei um das Werk eines Elfjährigen handelt, hört man ihm in keinem Takt an. Sowohl spirituell als auch musikalisch strahlt es eine tiefe Reife aus. Im Dialog der aufgebrachten Seele und eines beschwichtigend-tröstenden Engels manifestiert sich bereits Mozarts Gespür für dramatische Effekte, ohne den religiösen Gehalt zu gefährden. Dankbare Aufgaben für die jungen Gesangssolisten, die Sopranistin Katrin Stösel und den Bassisten Maximilian Krummen, die auf gleich hohem Niveau sowohl die dramatische Energie zum Ausdruck bringen als auch die hohen vokalen Anforderungen inklusive kniffliger Koloraturen erfüllen konnten.

Dann folgte das „Requiem“ in der gewohnten Süßmayr-Fassung. Mit großem Ernst, nie erlahmender Spannung, klanglich weich und leuchtend, verfehlte das Werk seine Wirkung nicht. Neben dem auch hier exzellent aufspielenden Aachener Sinfonieorchester blieben der Opernchor und der Sinfonische Chor Aachen den vielfältigen Aufgaben nichts schuldig. Flexibel und virtuos bewältigten die Chöre die rasch angeschlagenen, aber nie verhetzten Fugen, zart schwingend gelang das „Lacrimosa“, mit dem auch in den Tiefen erforderlichen Volumen ließ bereits das eröffnende „Requiem aeternam“ aufhorchen. Etwas spitz gerieten allenfalls die Soprane in den dynamischen Höhepunkten. Recht ausgewogen präsentierte sich das Solisten-Quartett mit dem stimmlich gut harmonierenden Damen-Duo Amanda Majeski (Sopran) und Marion Eckstein (Alt) sowie dem markant gestaltenden Bassisten Ulrich Schneider. Der in Verdis „Simon Boccanegra“ am Theater Aachen voll überzeugende Tenor Alexey Sayapin wollte sich dagegen mit seiner etwas engen Stimme nicht so recht ins Klangbild des Quartetts integrieren lassen.

Viel Beifall für eins der besten Chorkonzerte der letzten Jahre.