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Spione, Liebe und böse Burschen: „Die Leopardin” von Ken Follett

Spione, Liebe und böse Burschen: „Die Leopardin” von Ken Follett

Starke Frauen mag er gern. Das spürt man in allen Büchern von Erfolgsautor Ken Follett („Die Nadel”, „Die Säulen der Erde”) . Der smarte Brite, in Wales geboren, hat sich in seinem neuen Thriller „Die Leopardin” wiederum einer Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg zugewandt.

Schon in seinem letzten Buch Roman „Das zweite Gedächtnis” arbeitete er sich in die US-Nachkriegszeit zurück.

„Die Leopardin” ist eine britische Super-Agentin: hübsch, mutig, klug und risikofreudig. Wir befinden uns in den letzten Tagen vor der Invasion der Alliierten 1944 in der Normandie.

Die frankophile Felicity Clairet will zusamen mit einer speziellen Frauentruppe, getarnt als Putzkolonne, die Nachrichtenzentrale der Nazis in Reims in die Luft jagen und damit den Invasionstruppen in Nordfrankreich helfen.

Gegenspieler Felicitys ist der ekelhafte (germanisch blonde) Major Dieter Franck, ein Nazi, ein Perverser, zugleich ein gebildeter Mensch und sogar Familienvater, der den Sinn für Schönes, Kunst und Literatur mit einem teuflischen Talent zur Folter verbindet. Er setzt seine kalte Intelligenz mit furchtbarer psychologischer Perfektion ein, wird aber jedes Mal mit einem Migräne-Anfall bestraft...

Seine Perfidie geht unter die Haut. Da gibt es eine natürlich wunderschöne, dem Major völlig ergebene französisch-jüdische Geliebte, primitive Folterknechte, die entsetzlich draufhauen, aber auch sensible Techniker und gesellschaftliche Außenseiter. Ken Follett versteht es, eine prickelnde Mischung herzustellen, die manchmal jedoch all zu schillernd und berechenbar daherkommt.

Natürlich findet man Schmunzelszenen und Sex, natürlich gibt es einen Typ wie „Greta”, die eigentlich ein Mann ist, aber in der Frauentruppe Tolles leistet, und es fehlt auch nicht die rührende Liebe von Felicity zu ihrem Partner Paul Chancellor, der sie zu Anfang ganz unmöglich findet.

Schritt für Schritt bahnt sich das Duell der „Giganten” Felicity und Franck an, der die blonde Agentin selbstverständlich hasserfüllt mit allen Sinnen begehrt und bitter verehrt.

Für solche Konstellationen ist Follett ein Spezialist. Doch beim neuen Roman sind die Farben dick aufgetragen. Man weiß schon im Vorfeld, wo es dramatisch wird, fürchtet böse Überraschungen, wird allerdings nach einigen Sympathieopfern mit dem knappen, aber wunden Sieg der Guten belohnt.

Follett ist ein geschickter Schreiber. Seine Szenenwechsel sind filmreif. Wer das Genre mag und sich nicht von schmerzlichen Szenen aus der Ruhe bringen lässt, liest den Roman sicherlich in einem Zuge durch.