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Düren: „Spiel des Jahres” löst neuen Trend aus

Düren : „Spiel des Jahres” löst neuen Trend aus

Die Jury „Spiel des Jahres” hat seit etwas über einem Jahr ihren Sitz in der Region - in Düren. Die Gesellschaftsspielekritiker haben sich zur Aufgabe gemacht, das Kulturgut Spiel einem breiten Publikum nahe zu bringen und vergeben seit 1979 den Preis „Spiel des Jahres”.

Mit Erfolg, denn die prämierten Spiele verkaufen sich bis zu mehrere hunderttausend Mal, während sich die Auflagen nicht prämierter Spiele im Bereich einiger tausend oder zehntausend bewegen.

Waren Gesellschaftsspiele früher oft Produkte anonymer Redaktionen, hat die Jury dem Autorenspiel mit den Weg geebnet, so dass der Erfinder gleich dem Buchautor mit seinem Namen für sein Spiel einsteht. Dabei stellt die Jury meist einfache, familientaugliche Spiele in den Vordergrund.

Erst zum zweiten Mal in ihrer Geschichte vergab sie in diesem Jahr einen Sonderpreis für ein komplexes Spiel, das sich - nicht nur, aber vor allem - an Erwachsene richtet. Nach „Caylus” im Jahre 2006 wurde diesmal „Agricola” von Uwe Rosenberg ausgezeichnet. Dies zeigt, dass auch die Spiel-des-Jahres-Jury sich dem Trend zu komplexen Strategiespiele annimmt.

Nur zu verständlich, da moderne, komplexe Strategiespiele eine typisch deutsche Erfindung sind. „German Games”, deutsche Spiele, ist in der internationalen Szene mittlerweile ein feststehender Begriff.

Man spielt diese Spiele nicht nur hierzulande gern und viel, sie erfreuen sich auch in den USA großer Beliebtheit. Selbst in Südkorea gibt es Fans, die sich regelmäßig in Spieleclubs treffen, um dort deutsche Spiele zu spielen. Viele Titel sind inzwischen auch in andere Sprachen übersetzt. Und inzwischen sind die „German Games” weltweit so erfolgreich, dass auch Autoren aus anderen Ländern solche Spiele entwickeln.

Aber wodurch genau zeichnet sich dieses deutsche Erfolgsmodell aus? Als reine Strategiespiele haben sie meist keine - oder nur geringe - Zufallselemente. Will man erfolgreich sein, muss man mehrere Züge im Voraus denken. Zudem sind Regelmechanismen von Strategiespielen äußert stark verzahnt, und ein Spieler, der nicht versucht, in allen Bereichen des Spiels gleichermaßen voranzukommen, wird Schwierigkeiten haben, zu gewinnen. Kannte man vorher nur einfache, herkömmliche Familienspiele, eröffnet sich so ein völlig neues Spielerlebnis mit vielschichtigen Handlungsabläufen und einer großen Spieltiefe und Spannungsdichte.

Die Erfolgsgeschichte der „German Games” begann 1995 mit „Die Siedler von Catan”, dem inzwischen mehrfach ausgezeichneten Klassiker von Klaus Teuber, den der herausgebende Verlag zu einer ganzen Spielfamilie von Varianten und Ergänzungen ausgebaut hat. Auch der aktuelle Jahrgang bietet den Freunden anspruchsvoller Spielkultur wieder eine Reihe hochinteressanter komplexer Strategiespiele.