Aachen: Spaß bei „Viel Lärm um Nichts“

Aachen: Spaß bei „Viel Lärm um Nichts“

Fliegende Fackeln vor der Burg Frankenberg, Popcorn und Budweiser-Bier bei Hennys Stand im Inneren: Der Jahrmarkt ist in der Stadt. „Viel Lärm um nichts“, die diesjährige Open-Air-Inszenierung des Aachener Das Da Theaters auf der Burg Frankenberg in Aachen, hat Regisseurin Maren Dupont auf einen amerikanischen Rummelplatz der 1950er Jahre verlegt.

Überall „Stars and Stripes“ (Bühne und Kostüme: Frank Rommerskirchen), Donald Trump würde seine Freude haben. Dabei musste das Premierenpublikum auf Shakespeares Originalverse verzichten, denn Dupont hat gleich auch die Texte des britischen Altmeisters an das 50er-Jahre-Setting angepasst.

Die Ränkespiele liefen deshalb nicht mehr zwischen Claudio und Hero, Benedict und Beatrice ab, sondern zwischen Clayton und Heaven sowie Ben und Becca. Kein Problem. Die Sticheleien von Ben und Becca (Heaven: „Womit hast Du ihn so aufgeregt?“ Becca: „Mit Intelligenz.“) kamen einem ebenso vertraut vor wie die unschuldige Liebe zwischen Clayton und Heaven oder Claytons ehrliche Empörung, als er vermutet, dass Heaven ihn hintergangen hat. Geschenkt, dass Sprache und Verklemmtheiten dann doch nicht ganz die 1950er Jahre trafen und mögliche familiäre Abgründe einzelner Figuren etwas lieblos angetippt wurden.

Es machte einfach Spaß, den Verwirrspielen in der Kulisse des Rummelplatzes samt Hau-den-Lukas, Geisterbahn und Schießbude zuzuschauen. Dabei konnte Dupont auf ein durchweg hervorragendes Ensemble bauen: Regina Winter war als Heaven in Petticoat und Pferdeschwanz ebenso wie Maciej Bittner als Clayton wirklich herrlich naiv. Angela Ahlheim mimte Becca eher spröde als frech, Mehdi Salim gab Ben einen gehörigen James-Dean-Touch mit — nicht nur wegen der Haartolle. Malte Sachtleben war als Perry (eigentlich Don Pedro) ein zwar schon geheimratseckengeplagter Schüler — an seiner Anführerrolle ließ er aber keinen Zweifel.

Julia Alsheimer war die ein bisschen zu sorglose Meggie, Ali Marcel Yildiz übernahm Heavens empörten Bruder Leo und mit Reibeisenstimme den Intriganten Bob. Herausragend in seiner Wandlungsfähigkeit: Klaus Beleczko. Er war in einem Moment Perrys Bruder Jack, der so gar keinen Spaß verstand und das Drama um Clayton und Heaven ins Rollen brachte. Im nächsten Eugene — verliebt in Maggie und bis über beide Nerd-Brillenbügel verklemmt.

Selbst bei den musikalischen Einlagen (Arrangements: Christoph Eisenburger und Tom Schreyer, Choreographie: Heike Sievert) — fast ausschließlich hervorragend gesungen und getanzte Rock’n-Roll-Hits der 50er — schoss er den Vogel mit einem schräg angestimmten Liebeslied für Maggie ab.

Man stellte sich unwillkürlich die Frage: Konnte er nicht besser oder wollte er nicht besser? In jedem Fall großes Können oder großer Mut. Viel Applaus der etwas durchgefrorenen Zuschauer.